Der Schweinemarkt in Deutschland befand sich im Juli in einer der schwierigsten Phasen der vergangenen Jahre. Bereits zu Monatsbeginn war die Stimmung in der Branche äußerst angespannt. Viele Schweinehalter arbeiteten schon seit längerer Zeit weit unter ihren Produktionskosten und hofften darauf, dass das durch die langanhaltende Hitze kleinere Angebot an schlachtreifen Schweinen zumindest für etwas Entlastung sorgen würde. Tatsächlich nahmen die Tiere aufgrund der hohen Temperaturen deutlich langsamer zu und die Schlachtgewichte gingen kontinuierlich zurück. Unter normalen Marktbedingungen hätte diese Entwicklung den Markt stützen können. Doch diesmal überwogen andere Faktoren. Die Nachfrage nach Schweinefleisch blieb schwach. Mit Beginn der Sommerferien ging der Absatz sowohl im Lebensmitteleinzelhandel als auch in der Gastronomie spürbar zurück. Gleichzeitig bauten die großen Schlachtunternehmen den Druck auf die Erzeugerseite immer weiter aus. Zunächst konnte sich der Schweinepreis noch bei 1,50 € behaupten. Im weiteren Verlauf des Monats folgte jedoch der drastische Rückschlag auf 1,40 €. Für viele Betriebe bedeutete dieser Einbruch eine weitere Verschärfung einer ohnehin schon existenzbedrohenden wirtschaftlichen Situation. In den Marktberichten war entsprechend von Frustration und Mutlosigkeit unter den Erzeugern die Rede.

Auch der Ferkelmarkt entwickelte sich ausgesprochen schwach. Das Angebot blieb umfangreich, während die Nachfrage der Mäster immer weiter nachließ. Viele Betriebe scheuten angesichts der schlechten Erlössituation neue Einstallungen oder kauften nur sehr zurückhaltend ein. Zusätzlichen Druck brachten günstige Ferkel aus dem europäischen Ausland, die den Wettbewerb weiter verschärften. Die Folge waren sinkende Ferkelpreise und eine insgesamt schleppende Vermarktung. Damit verschlechterten sich die Perspektiven sowohl für Ferkelerzeuger als auch für Mäster gleichzeitig. Die Unsicherheit nahm im Laufe des Monats immer weiter zu und viele Marktteilnehmer rechneten nicht mehr mit einer kurzfristigen Erholung.


Auch der Markt für Schlachtsauen präsentierte sich in einer äußerst schwierigen Verfassung. Die Nachfrage nach Sauenfleisch blieb gering, während gleichzeitig preisgünstige Ware aus anderen europäischen Ländern auf den Markt drängte. Dadurch stiegen die Lagerbestände und der Absatz verlief zunehmend schleppend. Die Schlachtunternehmen reagierten mit weiterem Preisdruck, sodass auch die Auszahlungspreise für Sauen deutlich nachgaben. Der gesamte Schweinesektor stand damit gleichzeitig unter erheblichem wirtschaftlichem Druck.

Besonders bemerkenswert war, dass das eigentlich knappe Angebot an schlachtreifen Schweinen den Markt kaum noch stützen konnte. Die Hitzewelle hatte die Tageszunahmen erheblich reduziert und vielerorts standen weniger schlachtreife Tiere zur Verfügung. Gleichzeitig berichteten Vermarktungsorganisationen von regional sogar ausgeglichenen Lebendmärkten. Trotzdem gelang es den Erzeugern nicht, diese Situation in bessere Preise umzusetzen. Die Schlachtunternehmen verwiesen immer wieder auf ihre schwierige Situation im Fleischgeschäft und kündigten teilweise geringere Schlachtzahlen an. Dadurch entstand ein erheblicher psychologischer Druck auf den Markt, der schließlich in der deutlichen Absenkung des Schweinepreises mündete. Unmittelbar nach diesem Preisrückgang zeigte sich allerdings, dass vielerorts sogar kurzfristig Schlachtschweine gesucht wurden, weil das Angebot inzwischen spürbar kleiner geworden war. Diese Entwicklung machte deutlich, wie stark die Preisbildung in diesem Monat von den Marktstrategien der großen Schlachtunternehmen geprägt wurde.
Neben der eigentlichen Marktentwicklung sorgten auch strukturelle Themen für Aufmerksamkeit. Die Initiative Tierwohl verzeichnete eine außergewöhnlich hohe Zahl neuer Ferkelaufzuchtbetriebe. Damit wurde ein weiterer Schritt hin zu einer lückenlosen Herkunftssicherung innerhalb des Systems erreicht. Größeren Einfluss auf die Marktstimmung hatten jedoch die Entscheidungen der großen Schlachtunternehmen. Tönnies und Westfleisch begründeten ihre Forderungen nach niedrigeren Preisen mit schwierigen Absatzbedingungen und einer angespannten Lage am Fleischmarkt. Ein weiteres Warnsignal setzte die Insolvenz der Geestferkel GmbH, einem der größten deutschen Ferkelerzeuger mit Standorten in mehreren Bundesländern. Das Unternehmen machte die anhaltend niedrigen Schweinepreise, fehlende wirtschaftliche Planungssicherheit und hohe Verluste für den Schritt verantwortlich. Die Insolvenz verdeutlicht, wie groß der wirtschaftliche Druck inzwischen selbst für große und investitionsstarke Betriebe geworden ist und wie tief die strukturellen Probleme der deutschen Schweinehaltung inzwischen reichen.
Auch außerhalb Deutschlands blieb die Lage schwierig. In vielen europäischen Ländern sorgte die langanhaltende Hitze ebenfalls für geringere Zunahmen und ein kleineres Angebot an schlachtreifen Schweinen. Gleichzeitig entwickelte sich der Fleischabsatz auch dort enttäuschend. Während Frankreich und Italien zeitweise leichte Preisverbesserungen verzeichnen konnten, standen Belgien und Dänemark weiter unter Druck. Besonders belastend entwickelte sich die Situation in Spanien. Wegen eingeschränkter Exportmöglichkeiten gelangten größere Mengen Schweinefleisch zusätzlich auf den europäischen Binnenmarkt. Dieses zusätzliche Angebot erhöhte den Wettbewerbsdruck erheblich und erschwerte auch in Deutschland eine Stabilisierung der Preise. Damit wurde deutlich, dass ein kleineres Angebot an lebenden Schweinen allein nicht ausreichte, solange der europäische Fleischmarkt gleichzeitig mit hohen Mengen versorgt wurde. Die Entwicklungen im Ausland wirkten sich deshalb unmittelbar auf die Vermarktungsmöglichkeiten in Deutschland aus.
Der Ausblick auf die kommenden Wochen bleibt entsprechend verhalten. Einerseits dürfte das Angebot an schlachtreifen Schweinen zunächst begrenzt bleiben, weil die Folgen der Hitzewelle noch einige Zeit nachwirken werden. Andererseits sprechen die schwache Fleischnachfrage, die laufende Ferienzeit und die damit verbundenen verminderten Schlachttage sowie das hohe Angebot auf dem europäischen Fleischmarkt weiterhin gegen eine schnelle Erholung. Entscheidend wird sein, ob sich der Absatz im Lebensmitteleinzelhandel und in der Gastronomie nach der Urlaubszeit wieder belebt und ob sich der Druck durch zusätzliche Fleischmengen aus dem Ausland abschwächt. Erst dann könnten auch die Erzeugerpreise wieder etwas Luft nach oben erhalten. Bis dahin dürfte der Schweinemarkt jedoch von großer Unsicherheit geprägt bleiben. Nach dem massiven Preissturz auf 1,40 € steht für viele Schweinehalter zunächst nicht die Aussicht auf steigende Erlöse im Vordergrund, sondern die Hoffnung, dass sich der Markt zumindest stabilisiert und die wirtschaftliche Belastung nicht noch weiter zunimmt. Für eine nachhaltige Erholung reichen ein knappes Angebot und saisonale Effekte allein nicht aus. Erst wenn sich der Fleischabsatz spürbar verbessert und die Marktteilnehmer wieder mehr Vertrauen gewinnen, besteht Aussicht auf eine dauerhaft stabilere Entwicklung. Mittelfristig wird sich das rückläufige Angebot, dass sich nun auch in Insolvenzen niederschlägt zwangsläufig zu einer Verknappung führen und dem Preis wieder eine stützende Grundlage bieten. Dennoch ist die aktuelle Lage schlecht wie selten zuvor.






