X
XLinkedinWhatsAppTelegramTelegram
0
Lesen Sie diesen Artikel in:

Leberschutz: Eine wirksame Strategie zur Senkung der Sauensterblichkeit?

Die Verabreichung eines leberschützenden Produkts rund um das Abferkeln reduzierte die Sauensterblichkeit um 73 %.

Einleitung

Derzeit stehen wir vor einer schwierigen Situation hinsichtlich der Sauensterblichkeit, die zu einem immer bedeutenderen Problem wird. Laut Huang et al. (2025) stieg die Sterblichkeit innerhalb von fünf Jahren von 5,2 % auf 9,7 %.

Die Sauensterblichkeit verursacht wirtschaftliche Kosten, die häufig unterschätzt werden, und wirkt sich direkt auf die Endkosten der Produktion aus. Die wirtschaftlichen Verluste können bis zu 595 Euro pro Sau betragen (Muñoz et al., 2024).

Eine Verringerung der Sterblichkeit um 1 % kann eine Einsparung von 11,05 Euro pro Sau bedeuten.

Einer der Faktoren, die die Reduzierung der Sterblichkeit erschweren, ist die Schwierigkeit der Diagnosestellung. In einer Studie (Vara, 2025) wurde festgestellt, dass:

  • 93,4 % der Sauen Lungenläsionen aufwiesen.
  • 39,4 % Leber- und/oder Milzläsionen zeigten.
  • 79,0 % Blasenläsionen hatten.

Selbst wenn die Läsionen identifiziert werden, bleibt die Diagnosestellung jedoch eine Herausforderung.

Fallbeschreibung

Der Fall betraf einen Ferkelerzeugerbetrieb (Standort 1) in Ejea de los Caballeros mit 780 Sauen und einem 4-Wochen-Abferkelrhythmus. Auf dem Betrieb wird eine kommerzielle Hybridlinie aus Large White × Landrasse eingesetzt, bei der ein besorgniserregender Anstieg der Sauensterblichkeit beobachtet wurde.

Abbildung 1. Prozentsatz der jährlichen Sauensterblichkeit.
Abbildung 1. Prozentsatz der jährlichen Sauensterblichkeit.

Der Fall begann Anfang 2024. Obwohl sich der Betrieb in einer Phase gesundheitlicher Stabilität befand, zeigten die Daten zur Sauensterblichkeit besorgniserregende Werte, die sich in den vergangenen Jahren verschlechtert hatten und durch gesundheitliche Herausforderungen wie PRRS-Infektionen zusätzlich verstärkt wurden.

Abbildung 2. Prozentsatz der Sauensterblichkeit im ersten Quartal des Jahres.
Abbildung 2. Prozentsatz der Sauensterblichkeit im ersten Quartal des Jahres.

Wie in Abbildung 2 dargestellt, war das erste Quartal 2024 das schlechteste der letzten Jahre, mit einer Sauensterblichkeit von nahezu 20 %. Dieser Wert lag sogar über dem des ersten Quartals 2023, als der Betrieb von einem Ausbruch eines hochvirulenten PRRS-Stamms (Rosalia) betroffen war.

Der nächste Schritt bestand darin zu bestimmen, wann die Sauen starben. Die Daten bestätigten, dass die Todesfälle vor allem im letzten Drittel der Trächtigkeit und in der ersten Woche nach dem Abferkeln auftraten, mit einer höheren Häufigkeit im peripartalen Zeitraum, wie die folgenden Abbildungen zeigen.

Abbildung 3. Verteilung der Todesfälle nach Produktionsphase.
Abbildung 3. Verteilung der Todesfälle nach Produktionsphase.
Abbildung 4. Verteilung der Todesfälle nach Trächtigkeitstagen.
Abbildung 4. Verteilung der Todesfälle nach Trächtigkeitstagen.
Abbildung 5. Verteilung der Todesfälle nach Tagen post partum.
Abbildung 5. Verteilung der Todesfälle nach Tagen post partum.

Klinische Symptome / Sektionen

Zu diesem Zeitpunkt wurde eine umfassende Bewertung der Situation im Betrieb durchgeführt, sowohl bei verendeten Sauen als auch bei Tieren mit klinischen Anzeichen, die mit frühen Stadien der Erkrankung vergleichbar waren. Dabei wurden folgende Beobachtungen gemacht:

  • Als Hochrisikotiere eingestufte Sauen (Foto 1)
    • Blasse Sauen mit schlechter Körperkondition, jedoch ohne Appetitverlust
    • Kein Fieber
    • Hohe Sterblichkeitsrate bei den betroffenen Tieren
Foto 1. Sauen mit klinischen Symptomen.
Foto 1. Sauen mit klinischen Symptomen.
  • Sektionsbefunde:
    • AKeine Ulzera und keine weiteren Erkrankungen des Magen-Darmtraktes sowie der Lunge
    • Leberläsionen bei den meisten sezierten Sauen (Foto 2):
      • Hepatomegalie
      • Degenerative Veränderungen in den Gewebestrukturen der Lebern
      • Leberrupturen
Foto 2. Bei den Sektionen beobachtete Leberläsionen.
Foto 2. Bei den Sektionen beobachtete Leberläsionen.

Sofortmaßnahmen

Nach Ausschluss biochemischer und laboranalytischer Ursachen sowie angesichts des hohen Ausmaßes der bei den Sektionen festgestellten Leberschäden wurde beschlossen, ein wasserlösliches Ergänzungsfuttermittel mit leberschützenden Eigenschaften einzusetzen. Das Produkt wurde allen Sauen des Betriebs unabhängig vom Produktionsstadium über einen Zeitraum von 15 Tagen verabreicht. Die Sterblichkeit verbesserte sich deutlich und erreichte einen der niedrigsten Durchschnittswerte der letzten fünf Jahre. Die Maßnahme wurde im April 2024 durchgeführt, in Abbildung 6 rot markiert

Abbildung 6. Verteilung der relativen Sterblichkeit nach Monat und Jahr.
Abbildung 6. Verteilung der relativen Sterblichkeit nach Monat und Jahr.

Darüber hinaus wurde beobachtet, dass die Sauensterblichkeit nach Absetzen des Produkts (orange markierter Bereich) wieder auf das vorherige Niveau anstieg, was darauf hindeutete, dass der Effekt nicht dauerhaft anhält.

Entwicklung des Behandlungsprotokolls

Da sich die Vitaminergänzung als wirksam bei der Senkung der Sauensterblichkeit erwiesen hatte, wurde ein strukturiertes Behandlungsprotokoll entwickelt, das dauerhaft auf dem Betrieb eingesetzt werden sollte.

Auf Grundlage der Feldbeobachtungen wurde der Zeitraum mit dem höchsten Sterberisiko definiert. Entsprechend wurde das Behandlungsfenster auf den letzten Monat der Trächtigkeit sowie die erste Woche nach dem Abferkeln festgelegt, was einer Gesamtdauer von 35 Tagen entsprach.

Zur Gewährleistung einer präzisen Dosierung wurde eine wasserbetriebene Dosierpumpe verwendet, die an einen 120-Liter-Tank angeschlossen war. Das wasserlösliche Vitaminpräparat wurde dabei in einem Verhältnis von 1 Liter Produkt auf 1.000 Liter Wasser vorgemischt. Die erforderliche Produktmenge pro Sau wurde wie folgt berechnet:

L Product = 1 L Product x 25 L Wasser x 35 Tage = 0,875 L Product
────────── ────────── ────────── ──────────
Sau 1000 L Wasser Sau / Tag Sau
Foto 3. Methode der Produktverabreichung.
Foto 3. Methode der Produktverabreichung.

Um verlässliche Ergebnisse zu erhalten, wurde der Versuch in den Monaten Juli, August und September durchgeführt. Innerhalb jeder Gruppe erhielt ein Teil der Tiere nach dem Zufallsprinzip das Produkt (Behandlungsgruppe), während die übrigen Tiere als Kontrollgruppe dienten.

Ergebnisse

Wenn bereits die Ergebnisse der Sofortmaßnahme vielversprechend waren, so waren die Resultate des kontrollierten Versuchs noch überzeugender. Wie in Tabelle 1 dargestellt, lag die Sterblichkeit in der Behandlungsgruppe bei 1,61 %, gegenüber 7,46 % in der Kontrollgruppe.

Wird die Sterblichkeit in der Kontrollgruppe mit 100 % angesetzt (15 verendete Sauen), so entspricht die der Behandlungsgruppe (4 verendete Sauen) einer relativen Sterblichkeit von 26,67 %, was einer Reduzierung der Sterblichkeit um 73,30 % entspricht.

Tabelle 1. Interpretation der Sterblichkeitsrate und der Sterblichkeitsreduktion nach Versuchsgruppe

Behandlungsgruppe Kontrollgruppe
Anzahl Sauen pro Gruppe 248 201
Todesfälle vor dem Abferkeln 2 9
Todesfälle nach dem Abferkeln 2 6
Gesamtzahl verendeter Sauen 4 15
Sterblichkeit (%) 1,61 7,46
Relative Sterblichkeit 26,67% 100%
Sterblichkeitsreduktion 73,30%

Werden diese Ergebnisse hochgerechnet, ergibt sich:

  • Wenn KEINE der beiden Gruppen behandelt worden wäre, wären 33 Sauen verendet.
  • Wenn BEIDE Gruppen behandelt worden wären, wären nur 7 Todesfälle zu erwarten gewesen. Dies entspricht 26 vermiedenen Todesfällen beziehungsweise einer Reduzierung der Sterblichkeit um 73,3 %.

Wirtschaftliche Bewertung / ROI

Auf Grundlage der Studie wird angenommen, dass durch die Behandlung aller Sauen 26 Todesfälle hätten vermieden werden können, was eine erhebliche wirtschaftliche Einsparung bedeutet hätte. Demgegenüber müssen die Kosten der Maßnahme berücksichtigt werden, einschließlich des Produkts und seiner Verabreichung. In diesem Fall beliefen sich die Gesamtkosten auf 806 €. Der Return on Investment (ROI) wurde wie folgt berechnet:

EINNAHMEN - INVESTITION
(26 Sauen * 595 € ⁄ Todesfall) - (806 €)
ROI = ───────────────────── ROI = ──────────────────────── = 18,19 €
INVESTITION 806 €

Entwicklung im Zeitverlauf

Nach Abschluss der Studie in den Monaten Juli, August und September wurde die Behandlung im gesamten Bestand während des letzten Drittels der Trächtigkeit sowie in der ersten Woche nach dem Abferkeln eingeführt. Dadurch sank die Sauensterblichkeit auf niedrigere Werte als in den Vorjahren, wie nachfolgend dargestellt:

Abbildung 7. Relative Sterblichkeit pro nach Monat vor und nach Einführung der Behandlung.
Abbildung 7. Relative Sterblichkeit pro nach Monat vor und nach Einführung der Behandlung.

Risikoschätzung

Es wurde eine Kohortenstudie durchgeführt, bei der eine Kohorte gesunder exponierter Tiere und eine Kohorte gesunder nicht exponierter Tiere ausgewählt wurde.

Den mit WinEpi analysierten Daten zufolge hatten behandelte Tiere eine 1,56- bis 13,72-mal geringere Wahrscheinlichkeit zu sterben. Das wasserlösliche Ergänzungsfuttermittel wird daher als Schutzfaktor angesehen.

Beobachtete Häufigkeiten
Risikovariable
Exponiert (Behandlung) Nicht exponiert (Kontrolle) Gesamt
Gesundheitsstatus Erkrankt 4 15 19
Gesund 244 186 430
Gesamt 248 201 449
Erwartete Häufigkeiten
Risikovariable
Exponiert (Behandlung) Nicht exponiert (Kontrolle) Gesamt
Gesundheitsstatus Erkrankt 10,49 8,51 19
Gesund 237,51 192,49 430
Gesamt 248 201 449

Schlussfolgerungen

Es konnte gezeigt werden, dass bestimmte Produkte – in diesem Fall ein wasserlösliches Ergänzungsfuttermittel aus B-Vitaminen, Vitamin E, Vitamin C, Cholinchlorid und Artischockenextrakt – dazu beitragen können, die Sauensterblichkeit zu reduzieren. Zu den wichtigsten Eigenschaften der enthaltenen Komponenten gehören:

  • B-Vitamine
    • Unverzichtbar für den Stoffwechsel.
    • Beteiligung an der Bildung roter Blutkörperchen.
    • Unterstützung der Funktion des Nervensystems.
    • Verbesserung von Wachstum und Reproduktionsleistung.
  • Vitamin E
    • Antioxidative Wirkung.
    • Verbesserung der Immunantwort und der reproduktiven Gesundheit.
  • Vitamin C
    • Reduziert Stress und unterstützt den Aufbau des Bindegewebes (Kollagenbildung).
    • Stärkt die Immunfunktion.
    • Unterstützt das metabolische Gleichgewicht bei belasteten Tieren.
  • Cholinchlorid
    • Verhindert Fettleber.
    • Erleichtert den Lipidtransport.
  • Artischockenextrakt
    • Stimuliert die Leberfunktion und die Entgiftung.
    • Verbessert die Fettverdauung.
    • Reduziert die toxischen Auswirkungen von Mykotoxinen und Arzneimitteln.

Auch wenn es möglicherweise nicht angemessen ist, von einer Behandlung einer spezifischen Erkrankung zu sprechen, unterstützt die leberschützende Wirkung dieses Produkts die Stoffwechselfunktion der Sauen und trägt zu einer Verbesserung ihrer allgemeinen Gesundheit bei.

Diese Studie wurde im Rahmen der INNOVA-Initiative der Vall Companys Gruppe durchgeführt.

Kommentare zum Artikel

Dieser Bereich ist nicht dazu bestimmt, Autoren über ihre Artikel zu befragen, sondern bietet Platz für eine offene Diskussion unter den 3tres3.com/de Nutzern.
Schreiben Sie einen neuen Kommentar

Zugang nur für registrierte 333 Nutzer. Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.

Sie sind nicht in diese Liste eingetragen. Aktuelles zum Schwein

Neuigkeiten der Schweineindustrie in deiner E-Mail

Melden Sie sich an und tragen Sie sich in die Liste ein.

Sie sind nicht in diese Liste eingetragen. Die Website in 3 Minuten

Zweiwöchentlicher Newsletter über alle Updates bei 3tres3.com/de

Melden Sie sich an und tragen Sie sich in die Liste ein.