Atemwegserkrankungen gehören zu den Problemen, die während der Mastphase von größter Bedeutung sind, und zwar aus folgenden Gründen:
- Es handelt sich typischerweise um wiederkehrende Erkrankungen.
- Sie haben in der Regel einen erheblichen Einfluss auf den Antibiotikaeinsatz, da sie häufig größere Tiere mit einem hohen Wasseraufnahmebedarf betreffen.
Darüber hinaus führen wesentliche Veränderungen in der Schweineproduktion, wie der Verzicht auf Zinkoxid und die Einschränkungen beim Antibiotikaeinsatz, dazu, dass Verdauungserkrankungen in der Mastphase anders betrachtet und angegangen werden müssen.

Die Bedeutung der Verbindung zwischen der Darm- und der Atemwegsschleimhaut, bekannt als Darm-Lungen-Achse
Diese Verbindung ist bidirektional:
- Eine Darmdysbiose kann die Immunabwehr und die Mikrobiota der Atemwegsschleimhaut verändern.
- Umgekehrt können Atemwegserkrankungen ebenfalls eine Dysbiose im Verdauungstrakt verursachen und dadurch den Schweregrad des Atemwegsprozesses erhöhen.
Dieser pathologische Kreislauf kann sich über längere Zeit selbst aufrechterhalten und dadurch eine adäquate klinische Genesung erschweren.
Zu den zentralen Aspekten dieses neuen gesundheits- und produktionsbezogenen Paradigmas gehören:
Die Notwendigkeit einer angemessenen Kontrolle der Mikrobiota, verstanden als Kontrolle der in dieser Phase häufig auftretenden Verdauungserkrankungen wie Ileitis, Dysenterie und Salmonellose.
Die durch Verdauungserkrankungen verursachten Veränderungen führen zu einer Dysbiose, die wiederum eine Entzündung des Verdauungstrakts zur Folge hat.

Die Darmpermeabilität nimmt zu, was die Entzündungsmechanismen verändert und eine chronische Entzündungsreaktion auslöst.

Die systemische Immunreaktion verschlechtert sich, da eine starke Effektorzellantwort auftritt, während die regulatorische Reaktion begrenzt ist.
Die Fähigkeit der Effektorzellen, Krankheitserreger zu erkennen und zu eliminieren, bestimmt die Wirksamkeit der Immunreaktion. Wenn das Immunsystem jedoch überaktiv wird, muss eine angemessene regulatorische Reaktion stattfinden, um zu verhindern, dass die Immunantwort außer Kontrolle gerät und überschießend wird.
In Abbildung 1 ist zu sehen, wie die Kontrolle der Ileitis durch die Impfung einer der Gruppen dazu beiträgt, die Entzündung zu reduzieren. In diesem Fall wird die Entzündung anhand des Haptoglobingehalts im Speichel gemessen.

Abb. 1: Haptoglobinspiegel im Speichel bei zwei Schweinegruppen, davon eine geimpft und eine ungeimpft. Fehlerbalken: 95% CI. Quelle: A. Martinez-Martinez
Diese chronische Entzündung kann zu einer Erschöpfung der Immunantwort führen, wodurch die klinischen Symptome fortbestehen und sich dadurch möglicherweise die Gewebeschädigung in den betroffenen Zielgeweben verstärkt. Dies wirkt sich auf das gesamte weitere produktive Leben des Tieres aus, verschlechtert die Produktionsparameter der betroffenen Gruppe und beeinträchtigt die Abwehrmechanismen der geschädigten Organe, wodurch diese anfälliger für weitere Erkrankungen werden.
Die Bedeutung von Koinfektionen
Bei Erkrankungen der Lunge sind nur selten einzelne Erreger allein für das Krankheitsgeschehen verantwortlich. Häufig treten Koinfektionen mit mehreren Erregern auf, die den Krankheitsverlauf erschweren:
- Influenza und Mykoplasmen: Zwischen diesen Erregern besteht ein starker synergistischer Effekt, da das Influenzavirus das respiratorische Epithel schädigt und Mykoplasmen die Zilien zerstören. Dadurch wird die Kontrolle des Krankheitsgeschehens erschwert.
- PRRS und Mykoplasmen: Diese Koinfektion verstärkt die Gewebeschädigung und beeinträchtigt dadurch die klinische Genesung.
- Actinobacillus pleuroneumoniae: Die Toxine beeinflussen Gerinnungs- und Entzündungsprozesse und verursachen nekrotische und hämorrhagische Läsionen in der Lunge. In Kombination mit Mykoplasmen nimmt das Ausmaß der Lungenläsionen zu.
Dies verdeutlicht die Bedeutung von Mykoplasmen bei den verschiedenen Komplikationen von Atemwegserkrankungen, da sie zu einer stärkeren Gewebeschädigung beitragen.
Maßnahmen
Impfung gegen Erkrankungen des Verdauungstrakts
Eine der Strategien wird darin bestehen, gezielt gegen Erkrankungen des Verdauungstrakts vorzugehen. Eine Impfung gegen Ileitis, die auf den meisten Betrieben endemisch vorkommt, führt zu einer Verringerung der Dysbiose, die auftritt, wenn die Bakterien in der Mastphase rezirkulieren.
Bekämpfung von Mykoplasmen
Mykoplasmen gehören zu den am häufigsten vorkommenden Erregern in der Mastphase. Impfstoffe sind breit verfügbar. Doch gleichzeitig ist auch festzustellen, dass in den vergangenen Jahren die Zahl der Mykoplasmen-bedingten Erkrankungen zugenommen hat. Dies hat nicht nur zu einer Zunahme der Symptomschwere geführt, sondern auch die klinische Genesung deutlich erschwert.
Mykoplasmen sind Erreger, die gezielt bekämpft werden müssen
Die häufigsten Ursachen für das Versagen der Mykoplasmenimpfung, die während der Absetzphase verabreicht wird, sind:
- Rezirkulation von PRRS während der Absetzphase.
- Höhere Remontierungsraten in den Betrieben und infolgedessen ein höherer Anteil an Ferkeln von Jungsauen, bei denen die Infektionsprävalenz in der Regel am höchsten ist.
- Höhere Schlachtgewichte der Tiere in Zeiten günstiger Futterpreise und hoher Schweinepreise, wodurch der Impfschutz möglicherweise nicht ausreichend ist.
Einsatz organischer Säuren
Bei Sauen werden mittelkettige Fettsäuren eingesetzt, um die Darmgesundheit der Sauen und ihrer Saugferkel zu verbessern.
Caprinsäure und Capronsäure wirken auf die Zellmembranen von Mikroorganismen und destabilisieren deren Zellstruktur.

Abb. 2: Mittelkettige organische Säuren
Antimikrobielle Peptide
Dabei handelt es sich um kleine Moleküle aus Aminosäuren mit antimikrobieller Wirkung, die zu den Bestandteilen der angeborenen Immunität gehören und möglicherweise eine Alternative zu Antibiotika darstellen können.

Abb. 3: Eigenschaften antimikrobieller Peptide
Unser therapeutischer Ansatz
Betriebe sollten sich mit ihrem Tierarzt beraten, um den Impfplan festzulegen. In unserem Fall impfen wir beim Absetzen gegen Mykoplasmen zusammen mit der Circovirus-Impfung und führen zwischen der 10. und 14. Lebenswoche eine Auffrischungsimpfung gegen Mykoplasmen durch, um Komplikationen durch eine Rezirkulation am Ende der Mastphase zu vermeiden.
Der Einsatz der zuvor genannten Zusatzstoffe, sowohl bei Sauen als auch in der Mastphase, kann die Wirksamkeit der Impfungen verbessern, indem einer möglichen Darmdysbiose vorgebeugt wird, die die Immunantwort beeinträchtigen könnte.
Fazit
Die Rahmenbedingungen haben sich geändert, und daher muss sich auch der Ansatz zur Kontrolle von Krankheiten ändern. Neue Erkenntnisse über die Darm-Lungen-Achse sowie über weitere Verbindungen zwischen Schleimhäuten bieten uns die Möglichkeit, umfassendere Ansätze zur Bekämpfung verschiedener Atemwegserkrankungen zu verfolgen.
Bei der Anwendung von Säuren, Peptiden oder anderen Molekülen müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass bei der Kontrolle von Atemwegserkrankungen der Darm eines der therapeutischen Ziele sein sollte.

