In jedem Unternehmen ist Rentabilität der Lohn für gute Entscheidungen, die über einen längeren Zeitraum getroffen wurden. In der Schweineproduktion ist dieser Zusammenhang jedoch komplexer. Rentabilität ist nicht nur die Differenz zwischen Kosten und Preis, sondern spiegelt auch wider, wie erfolgreich wir das biologische Potenzial in wirtschaftliche Werte umwandeln können. Je effizienter wir Inputs in konsistente, qualitativ hochwertige Outputs umwandeln, desto widerstandsfähiger und rentabler wird das System.
In Teil 1 dieser Serie haben wir das Sparschwein-Prinzip vorgestellt: Was man aus Schweinen herausholt, steht in direktem Zusammenhang mit dem, was man in sie investiert. Kostensenkungen allein sind selten ein nachhaltiger Weg zur Erzielung von Gewinnen. Der Erfolg hängt von gezielten Investitionen ab, durch die die Produktionssysteme präziser, berechenbarer und widerstandsfähiger werden.

Rentabilität als System, nicht als Momentaufnahme
In der traditionellen Buchhaltung wird Gewinn oft als Momentaufnahme betrachtet: Einnahmen minus Ausgaben. In biologischen Systemen wie der Schweineproduktion lässt sich Gewinn jedoch am besten als komplexes und dynamisches System verstehen – als kumulativer Effekt vieler kleiner Effizienzsteigerungen, vermiedener Risiken und genutzter Chancen im Laufe der Zeit.
Ein Beispiel:
- Eine Verbesserung der Wachstumsraten um nur einen Prozentpunkt mag gering erscheinen, summiert sich in einem Betrieb mit 10.000 Tieren jedoch im Laufe der Zeit.
- Eine Verringerung der Gewichtsschwankungen bei Mastschweinen um wenige Kilogramm kann zu erheblichen Einsparungen bei der Sortierung, Vermarktung und Verarbeitung führen.
Betrachtet man diese Verbesserungen in ihrer Gesamtheit, so ergibt sich eine systemische Kapitalrendite, d. h. ein Muster von Gewinnen, das sowohl das Geschäftsergebnis als auch die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit des Betriebs stärkt.
Präzisionsproduktion als Investition
Bei der Präzisionsproduktion wird die biologische Variabilität als wirtschaftliche Variable definiert, die gemessen, modelliert und gesteuert werden muss. Es geht dabei nicht nur darum, Kapital in Produktionsmittel wie Futtermittel oder Anlagen zu investieren, sondern auch in Informationen, die die Grundlage der Präzisionsproduktion bilden.
Die Kerninvestitionen lassen sich in der Regel in drei Kategorien einteilen:
- Messtechnologien: Sensoren, Kameras und Waagen, die Wachstum, Umweltbedingungen und den Einsatz von Betriebsmitteln automatisch erfassen.
- Dateninfrastruktur: Systeme, die Informationen über alle Produktionsphasen hinweg bis hin zu den endgültigen Ergebnissen im Schlachthof integrieren und auswerten.
- Entscheidungsalgorithmen: Prognosetools und -modelle, die Maßnahmen in Echtzeit steuern und den Ressourceneinsatz optimieren.
Besondere Aufmerksamkeit sollte der Dateninfrastruktur gewidmet werden, da dies ein Bereich ist, in den die meisten Betriebe sofort investieren können. Insbesondere Schlachtdaten können einen beispiellosen Einblick in die Situation der Schweine auf individueller Ebene bieten. Durch die Verknüpfung mit anderen leicht verfügbaren Datensätzen lassen sich sofortige und praktische Erkenntnisse gewinnen.
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Abbildung 1: Die Kombination von Schlachtdaten mit anderen Daten, z. B. zur Fütterung, zum Gesundheitszustand oder zum Zuchtbetrieb, kann dabei helfen, Ursachen für Schwankungen zu ermitteln und die erforderlichen Maßnahmen zu deren Behebung zu ergreifen.
Aus wirtschaftlicher Sicht liefern diese Investitionen drei Arten von Erträgen:
- Effizienzgewinne durch eine präzisere Abstimmung der eingesetzten Ressourcen auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Tieres.
- Konsistenzgewinne, indem Schwankungen reduziert und die Vorhersagbarkeit der Produktionsabläufe verbessert werden.
- Resilienzgewinne durch die Schaffung von Systemen, die Probleme erkennen und beheben, bevor sie zu Verlusten führen.
Zwar lässt sich jeder Gewinn separat quantifizieren, doch wirkt sich ihre Kombination oft eher multiplikativ als additiv aus, da jede Verbesserung die Wirkung der anderen Faktoren verstärkt.
So steigert beispielsweise eine bessere Gesundheitsüberwachung (Resilienzgewinn) den Wert der Futteroptimierung (Effizienzgewinn), da gesunde Schweine das Futter vorhersehbarer und mit geringerer Schwankungsbreite verwerten (Konsistenzgewinn).
Der Nutzen reduzierter Schwankungen
Kaum ein Faktor schmälert die Rentabilität so sehr wie unkontrollierte Schwankungen. Jede Abweichung vom Zielgewicht oder von der Zusammensetzung des Schlachtkörpers bedeutet einen Wertverlust. Verarbeitungsbetriebe bevorzugen Einheitlichkeit, da dies ihre Produktion vereinfacht und die Produktkonsistenz verbessert. Verbraucher bevorzugen sie, da sie eine vorhersehbare Fleischqualität gewährleisten.
Aus wirtschaftlicher Sicht verbessert die Verringerung von Schwankungen die Rentabilität auf drei Arten:
1. Marktausrichtung: Je mehr Schweine die Vorgaben erfüllen, desto geringer fallen die Abzüge aus.
Abbildung 2: Beispiel einer Vergütungsmatrix eines europäischen Verarbeitungsbetriebs mit Zu- und Abschlägen auf den Grundpreis, die sich nach Gewicht und Magerfleischanteil richten.
| Schlachtgewicht (kg) | ||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Mager-fleisch-anteil % | <75 | 76 | 78 | 84 | 108 | 109 | 110 | 111 | 112 | >125 |
| <45 | -0.26 | -0.23 | -0.21 | -0.19 | -0.17 | -0.19 | -0.20 | -0.21 | -0.22 | -0.37 |
| 45 | -0.26 | -0.23 | -0.21 | -0.19 | -0.17 | -0.19 | -0.20 | -0.21 | -0.22 | -0.37 |
| 46 | -0.26 | -0.23 | -0.21 | -0.19 | -0.17 | -0.19 | -0.20 | -0.21 | -0.22 | -0.37 |
| 47 | -0.26 | -0.23 | -0.21 | -0.19 | -0.17 | -0.19 | -0.20 | -0.21 | -0.22 | -0.37 |
| 48 | -0.26 | -0.23 | -0.21 | -0.19 | -0.17 | -0.19 | -0.20 | -0.21 | -0.22 | -0.37 |
| 49 | -0.26 | -0.23 | -0.21 | -0.19 | -0.17 | -0.19 | -0.20 | -0.21 | -0.22 | -0.37 |
| 50 | -0.26 | -0.23 | -0.21 | -0.19 | -0.17 | -0.19 | -0.20 | -0.21 | -0.22 | -0.37 |
| 51 | -0.22 | -0.19 | -0.17 | -0.15 | -0.13 | -0.15 | -0.16 | -0.17 | -0.18 | -0.33 |
| 52 | -0.18 | -0.15 | -0.13 | -0.11 | -0.09 | -0.11 | -0.12 | -0.13 | -0.14 | -0.29 |
| 53 | -0.16 | -0.13 | -0.11 | -0.09 | -0.07 | -0.09 | -0.10 | -0.11 | -0.12 | -0.27 |
| 54 | -0.13 | -0.10 | -0.08 | -0.06 | -0.04 | -0.06 | -0.07 | -0.08 | -0.09 | -0.24 |
| 55 | -0.10 | -0.07 | -0.05 | -0.03 | -0.01 | -0.03 | -0.04 | -0.05 | -0.06 | -0.21 |
| 56 | -0.09 | -0.06 | -0.04 | -0.02 | - | -0.02 | -0.03 | -0.04 | -0.05 | -0.20 |
| 57 | -0.08 | -0.05 | -0.03 | -0.01 | +0.01 | -0.01 | -0.02 | -0.03 | -0.04 | -0.19 |
| 58 | -0.09 | -0.06 | -0.04 | -0.02 | - | -0.02 | -0.03 | -0.04 | -0.05 | -0.20 |
| 59 | -0.9 | -0.06 | -0.04 | -0.02 | - | -0.02 | -0.03 | -0.04 | -0.05 | -0.20 |
| 60 | -0.09 | -0.06 | -0.04 | -0.02 | - | -0.02 | -0.03 | -0.04 | -0.05 | -0.20 |
| 61 | -0.12 | -0.09 | -0.07 | -0.05 | -0.03 | -0.05 | -0.06 | -0.07 | -0.08 | -0.23 |
| 62 | -0.12 | -0.09 | -0.07 | -0.05 | -0.03 | -0.05 | -0.06 | -0.07 | -0.08 | -0.23 |
| 63 | -0.12 | -0.09 | -0.07 | -0.05 | -0.03 | -0.05 | -0.06 | -0.07 | -0.08 | -0.23 |
| 64 | -0.12 | -0.09 | -0.07 | -0.05 | -0.03 | -0.05 | -0.06 | -0.07 | -0.08 | -0.23 |
| >64 | -0.12 | -0.09 | -0.07 | -0.05 | -0.03 | -0.05 | -0.06 | -0.07 | -0.08 | -0.23 |

Abbildung 3: Zwei Betriebe, wobei derjenige mit geringeren Schwankungen bei den Wachstumsraten aufgrund von Unterschieden im Impfprogramm weniger langsam wachsende Schweine aufweist. Dies bedeutet, dass die Ställe früher geräumt werden können, ohne dass dabei so viele Einbußen entstehen.
2. Risikominderung: Vorhersehbare und konsistente Erträge ermöglichen eine genauere langfristige Planung und sorgen so für mehr Sicherheit bei Verträgen und Absicherungsgeschäften.
Abbildung 4: Die Verringerung der Anzahl langsam wachsender Schweine reduziert nicht nur potenzielle Einbußen, sondern senkt auch die Kosten durch eine kürzere Belegungsdauer der Stallplätze, weniger Arbeitsstunden pro Schwein und eine effizientere Futterverwertung.

Bei einer Modellierung über mehrere Produktionszyklen hinweg können selbst geringfügige Verbesserungen der Gleichförmigkeit zu prozentualen Steigerungen der Rentabilität im zweistelligen Bereich führen. Solche Gewinne lassen sich durch herkömmliche Kostensenkungen einfach nicht erzielen.
Ermittlung der Erträge durch Präzision
Die Kapitalrendite in der Präzisionsproduktion hängt sowohl vom Umfang als auch vom Reifegrad der Daten ab. Am Anfang ergibt sich der Wert oft aus der Aufdeckung „versteckter“ Ineffizienzen, also Schwankungen, die zuvor unbemerkt blieben. Mit zunehmender Reife der Informationssysteme verlagern sich die Erträge mehr und mehr in Richtung Gewinnoptimierung, Vorhersagen und letztendlich unterstützte Entscheidungsfindung.
Mithilfe von Wirtschaftsmodellen lassen sich diese Gewinne quantifizieren. Ein hilfreicher Ansatz besteht darin, die Erträge in die folgenden Kategorien zu unterteilen:
- Direkte Erträge wie z. B. reduzierte Futterkosten pro Kilogramm Zuwachs, eine höhere Überlebensrate, eine bessere Auslastung der Anlagen und weniger Abzüge bei der Vermarktung.
- Indirekte Erträge wie z. B. eine proaktive Entscheidungsfindung, Mitarbeiterfeedback und -schulung sowie ein verringertes Krankheitsrisiko.
- Strategische Erträge wie z. B. eine bessere Anpassungsfähigkeit an Marktveränderungen oder Veränderungen der regulatorischen Rahmenbedingungen.
Produzenten, die Präzisionsdaten in ihre langfristige Planung einbeziehen, erzielen nicht nur höhere Durchschnittsgewinne, sondern weisen auch geringere Schwankungen zwischen guten und schlechten Jahren auf, was ein wichtiger Indikator für Widerstandsfähigkeit ist. Mit anderen Worten: Präzisionsproduktion führt nicht nur zu höherer, sondern auch zu zuverlässigerer Rentabilität.
Investitionen in die Widerstandsfähigkeit
In volatilen Märkten hat die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen einen eigenen wirtschaftlichen Wert. Die Fähigkeit, Produktion und Qualität trotz Schwierigkeiten – sei es aufgrund von Futterkosten, Krankheiten oder Marktstörungen – aufrechtzuerhalten, führt zu einer risikoadjustierten Rentabilität. Investoren und Kreditgeber erkennen diese Stabilität zunehmend als Form der Kapitaleffizienz an.
Präzisionsproduktion schafft durch Rückkopplung Widerstandsfähigkeit. Durch die kontinuierliche Messung der Leistung und die darauf basierende Anpassung von Entscheidungen entsteht ein selbstkorrigierendes System. Probleme werden so frühzeitig erkannt und Schwankungen gesteuert, bevor sie zu Verlusten führen. Auf diese Weise geht es bei der Präzisionsproduktion also nicht nur um Effizienz, sondern auch um Kontrolle. Der Produzent erhält die Möglichkeit, Ergebnisse aktiv zu beeinflussen, anstatt nur auf sie zu reagieren.
Der nächste Schritt
Der Umfang der Investitionen in die Präzisionsproduktion ist nicht nur eine Frage der aufgewendeten Mittel, sondern auch eine Frage der strategischen Ausrichtung. Das Ziel besteht darin, Informationen in Mehrwert umzuwandeln und Schwankungen vorhersehbar zu machen. Durch Investitionen in Messung, Datenintegration und -analyse erschaffen Erzeuger eine neue Art von Sparschwein, mit dessen Hilfe Werte nicht nur bewahrt, sondern auch vermehrt werden können.
In zukünftigen Diskussionen werden wir untersuchen, wie diese Investitionen die Entscheidungsfindung auf Bestands-, Unternehmens- und Lieferkettenebene verändern. Einstweilen ist jedoch bereits klar: Die Rentabilität in der modernen Schweineproduktion beruht nicht auf Kostensenkungen, sondern auf Systemen, die sich Tag für Tag durch Präzision, Beständigkeit und Widerstandsfähigkeit auszahlen.
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