In jedem Unternehmen ist Rentabilität der Lohn für gute Entscheidungen, die über einen längeren Zeitraum getroffen wurden. In der Schweineproduktion ist dieser Zusammenhang jedoch komplexer. Rentabilität ist nicht nur die Differenz zwischen Kosten und Preis, sondern spiegelt auch wider, wie erfolgreich wir das biologische Potenzial in wirtschaftliche Werte umwandeln können. Je effizienter wir Inputs in konsistente, qualitativ hochwertige Outputs umwandeln, desto widerstandsfähiger und rentabler wird das System.
In Teil 1 dieser Serie haben wir das Sparschwein-Prinzip vorgestellt: Was man aus Schweinen herausholt, steht in direktem Zusammenhang mit dem, was man in sie investiert. Kostensenkungen allein sind selten ein nachhaltiger Weg zur Erzielung von Gewinnen. Der Erfolg hängt von gezielten Investitionen ab, durch die die Produktionssysteme präziser, berechenbarer und widerstandsfähiger werden.
In der traditionellen Buchhaltung wird Gewinn oft als Momentaufnahme betrachtet: Einnahmen minus Ausgaben. In biologischen Systemen wie der Schweineproduktion lässt sich Gewinn jedoch am besten als komplexes und dynamisches System verstehen – als kumulativer Effekt vieler kleiner Effizienzsteigerungen, vermiedener Risiken und genutzter Chancen im Laufe der Zeit.
Ein Beispiel:
Betrachtet man diese Verbesserungen in ihrer Gesamtheit, so ergibt sich eine systemische Kapitalrendite, d. h. ein Muster von Gewinnen, das sowohl das Geschäftsergebnis als auch die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit des Betriebs stärkt.
Bei der Präzisionsproduktion wird die biologische Variabilität als wirtschaftliche Variable definiert, die gemessen, modelliert und gesteuert werden muss. Es geht dabei nicht nur darum, Kapital in Produktionsmittel wie Futtermittel oder Anlagen zu investieren, sondern auch in Informationen, die die Grundlage der Präzisionsproduktion bilden.
Die Kerninvestitionen lassen sich in der Regel in drei Kategorien einteilen:
Besondere Aufmerksamkeit sollte der Dateninfrastruktur gewidmet werden, da dies ein Bereich ist, in den die meisten Betriebe sofort investieren können. Insbesondere Schlachtdaten können einen beispiellosen Einblick in die Situation der Schweine auf individueller Ebene bieten. Durch die Verknüpfung mit anderen leicht verfügbaren Datensätzen lassen sich sofortige und praktische Erkenntnisse gewinnen.
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Aus wirtschaftlicher Sicht liefern diese Investitionen drei Arten von Erträgen:
Zwar lässt sich jeder Gewinn separat quantifizieren, doch wirkt sich ihre Kombination oft eher multiplikativ als additiv aus, da jede Verbesserung die Wirkung der anderen Faktoren verstärkt.
So steigert beispielsweise eine bessere Gesundheitsüberwachung (Resilienzgewinn) den Wert der Futteroptimierung (Effizienzgewinn), da gesunde Schweine das Futter vorhersehbarer und mit geringerer Schwankungsbreite verwerten (Konsistenzgewinn).
Kaum ein Faktor schmälert die Rentabilität so sehr wie unkontrollierte Schwankungen. Jede Abweichung vom Zielgewicht oder von der Zusammensetzung des Schlachtkörpers bedeutet einen Wertverlust. Verarbeitungsbetriebe bevorzugen Einheitlichkeit, da dies ihre Produktion vereinfacht und die Produktkonsistenz verbessert. Verbraucher bevorzugen sie, da sie eine vorhersehbare Fleischqualität gewährleisten.
Aus wirtschaftlicher Sicht verbessert die Verringerung von Schwankungen die Rentabilität auf drei Arten:
1. Marktausrichtung: Je mehr Schweine die Vorgaben erfüllen, desto geringer fallen die Abzüge aus.
Abbildung 2: Beispiel einer Vergütungsmatrix eines europäischen Verarbeitungsbetriebs mit Zu- und Abschlägen auf den Grundpreis, die sich nach Gewicht und Magerfleischanteil richten.
| Schlachtgewicht (kg) | ||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Mager-fleisch-anteil % | <75 | 76 | 78 | 84 | 108 | 109 | 110 | 111 | 112 | >125 |
| <45 | -0.26 | -0.23 | -0.21 | -0.19 | -0.17 | -0.19 | -0.20 | -0.21 | -0.22 | -0.37 |
| 45 | -0.26 | -0.23 | -0.21 | -0.19 | -0.17 | -0.19 | -0.20 | -0.21 | -0.22 | -0.37 |
| 46 | -0.26 | -0.23 | -0.21 | -0.19 | -0.17 | -0.19 | -0.20 | -0.21 | -0.22 | -0.37 |
| 47 | -0.26 | -0.23 | -0.21 | -0.19 | -0.17 | -0.19 | -0.20 | -0.21 | -0.22 | -0.37 |
| 48 | -0.26 | -0.23 | -0.21 | -0.19 | -0.17 | -0.19 | -0.20 | -0.21 | -0.22 | -0.37 |
| 49 | -0.26 | -0.23 | -0.21 | -0.19 | -0.17 | -0.19 | -0.20 | -0.21 | -0.22 | -0.37 |
| 50 | -0.26 | -0.23 | -0.21 | -0.19 | -0.17 | -0.19 | -0.20 | -0.21 | -0.22 | -0.37 |
| 51 | -0.22 | -0.19 | -0.17 | -0.15 | -0.13 | -0.15 | -0.16 | -0.17 | -0.18 | -0.33 |
| 52 | -0.18 | -0.15 | -0.13 | -0.11 | -0.09 | -0.11 | -0.12 | -0.13 | -0.14 | -0.29 |
| 53 | -0.16 | -0.13 | -0.11 | -0.09 | -0.07 | -0.09 | -0.10 | -0.11 | -0.12 | -0.27 |
| 54 | -0.13 | -0.10 | -0.08 | -0.06 | -0.04 | -0.06 | -0.07 | -0.08 | -0.09 | -0.24 |
| 55 | -0.10 | -0.07 | -0.05 | -0.03 | -0.01 | -0.03 | -0.04 | -0.05 | -0.06 | -0.21 |
| 56 | -0.09 | -0.06 | -0.04 | -0.02 | - | -0.02 | -0.03 | -0.04 | -0.05 | -0.20 |
| 57 | -0.08 | -0.05 | -0.03 | -0.01 | +0.01 | -0.01 | -0.02 | -0.03 | -0.04 | -0.19 |
| 58 | -0.09 | -0.06 | -0.04 | -0.02 | - | -0.02 | -0.03 | -0.04 | -0.05 | -0.20 |
| 59 | -0.9 | -0.06 | -0.04 | -0.02 | - | -0.02 | -0.03 | -0.04 | -0.05 | -0.20 |
| 60 | -0.09 | -0.06 | -0.04 | -0.02 | - | -0.02 | -0.03 | -0.04 | -0.05 | -0.20 |
| 61 | -0.12 | -0.09 | -0.07 | -0.05 | -0.03 | -0.05 | -0.06 | -0.07 | -0.08 | -0.23 |
| 62 | -0.12 | -0.09 | -0.07 | -0.05 | -0.03 | -0.05 | -0.06 | -0.07 | -0.08 | -0.23 |
| 63 | -0.12 | -0.09 | -0.07 | -0.05 | -0.03 | -0.05 | -0.06 | -0.07 | -0.08 | -0.23 |
| 64 | -0.12 | -0.09 | -0.07 | -0.05 | -0.03 | -0.05 | -0.06 | -0.07 | -0.08 | -0.23 |
| >64 | -0.12 | -0.09 | -0.07 | -0.05 | -0.03 | -0.05 | -0.06 | -0.07 | -0.08 | -0.23 |

2. Risikominderung: Vorhersehbare und konsistente Erträge ermöglichen eine genauere langfristige Planung und sorgen so für mehr Sicherheit bei Verträgen und Absicherungsgeschäften.

Bei einer Modellierung über mehrere Produktionszyklen hinweg können selbst geringfügige Verbesserungen der Gleichförmigkeit zu prozentualen Steigerungen der Rentabilität im zweistelligen Bereich führen. Solche Gewinne lassen sich durch herkömmliche Kostensenkungen einfach nicht erzielen.
Die Kapitalrendite in der Präzisionsproduktion hängt sowohl vom Umfang als auch vom Reifegrad der Daten ab. Am Anfang ergibt sich der Wert oft aus der Aufdeckung „versteckter“ Ineffizienzen, also Schwankungen, die zuvor unbemerkt blieben. Mit zunehmender Reife der Informationssysteme verlagern sich die Erträge mehr und mehr in Richtung Gewinnoptimierung, Vorhersagen und letztendlich unterstützte Entscheidungsfindung.
Mithilfe von Wirtschaftsmodellen lassen sich diese Gewinne quantifizieren. Ein hilfreicher Ansatz besteht darin, die Erträge in die folgenden Kategorien zu unterteilen:
Produzenten, die Präzisionsdaten in ihre langfristige Planung einbeziehen, erzielen nicht nur höhere Durchschnittsgewinne, sondern weisen auch geringere Schwankungen zwischen guten und schlechten Jahren auf, was ein wichtiger Indikator für Widerstandsfähigkeit ist. Mit anderen Worten: Präzisionsproduktion führt nicht nur zu höherer, sondern auch zu zuverlässigerer Rentabilität.
In volatilen Märkten hat die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen einen eigenen wirtschaftlichen Wert. Die Fähigkeit, Produktion und Qualität trotz Schwierigkeiten – sei es aufgrund von Futterkosten, Krankheiten oder Marktstörungen – aufrechtzuerhalten, führt zu einer risikoadjustierten Rentabilität. Investoren und Kreditgeber erkennen diese Stabilität zunehmend als Form der Kapitaleffizienz an.
Präzisionsproduktion schafft durch Rückkopplung Widerstandsfähigkeit. Durch die kontinuierliche Messung der Leistung und die darauf basierende Anpassung von Entscheidungen entsteht ein selbstkorrigierendes System. Probleme werden so frühzeitig erkannt und Schwankungen gesteuert, bevor sie zu Verlusten führen. Auf diese Weise geht es bei der Präzisionsproduktion also nicht nur um Effizienz, sondern auch um Kontrolle. Der Produzent erhält die Möglichkeit, Ergebnisse aktiv zu beeinflussen, anstatt nur auf sie zu reagieren.
Der Umfang der Investitionen in die Präzisionsproduktion ist nicht nur eine Frage der aufgewendeten Mittel, sondern auch eine Frage der strategischen Ausrichtung. Das Ziel besteht darin, Informationen in Mehrwert umzuwandeln und Schwankungen vorhersehbar zu machen. Durch Investitionen in Messung, Datenintegration und -analyse erschaffen Erzeuger eine neue Art von Sparschwein, mit dessen Hilfe Werte nicht nur bewahrt, sondern auch vermehrt werden können.
In zukünftigen Diskussionen werden wir untersuchen, wie diese Investitionen die Entscheidungsfindung auf Bestands-, Unternehmens- und Lieferkettenebene verändern. Einstweilen ist jedoch bereits klar: Die Rentabilität in der modernen Schweineproduktion beruht nicht auf Kostensenkungen, sondern auf Systemen, die sich Tag für Tag durch Präzision, Beständigkeit und Widerstandsfähigkeit auszahlen.
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