Ziel des Projekts INTACT („Technische und wirtschaftliche Empfehlungen zur Verringerung der Notwendigkeit des Schwanzkupierens in der Schweinehaltung“) ist es, die Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität der Schweinebranche durch eine technisch-wirtschaftliche Bewertung der erforderlichen Maßnahmen zur Reduzierung des Schwanzkupierens zu steigern.
Das Projekt wird vom Institut für Veterinärmedizin und Tierwissenschaften der Universität Mailand koordiniert, unter Beteiligung der Stiftung CRPA Studien und Forschung aus Reggio Emilia sowie dreier Schweinehaltungsbetriebe in der Lombardei. Es wird durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) im Rahmen der Maßnahme 16.1.01 „Operationelle Gruppen der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP)“ des Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum (EPLR) 2014–2020 der Region Lombardei kofinanziert.

Feldversuche
In den am Projekt beteiligten Partnerbetrieben wurden Versuche durchgeführt, um die technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekte der in den Verbesserungsplänen vorgesehenen Maßnahmen zu bewerten und zu überprüfen. Diese Verbesserungspläne wurden auf Grundlage der Ergebnisse der ClassyFarm-Selbstbewertungsfragebögen erstellt.
Aufgrund der durch die Afrikanische Schweinepest verursachten Notlage war der Zugang der Forschenden zu den Betrieben erschwert und strengen Einschränkungen unterworfen. Daher mussten die Aufgaben neu definiert und das Personal der landwirtschaftlichen Betriebe geschult werden, damit es die Datenerhebung eigenständig durchführen konnte.
Betrieb 1
Der Versuch konzentrierte sich auf die Aufzucht- und Mastphase und umfasste 192 Schweine, die in Buchten mit planbefestigtem Boden und einem externen Kotbereich mit Vollspaltenboden gehalten wurden. Die Tiere wurden gleichmäßig auf zwei Versuchsgruppen verteilt:
- INNOVATION: Tiere mit unkupiertem Schwanz; Stroh in einer Raufe
- KONTROLLGRUPPE: Tiere mit kupiertem Schwanz; an einer Kette aufgehängtes Holzbeschäftigungselement
Die erste Tiergruppe wurde von März bis Oktober 2024 beobachtet, die zweite von April bis November 2024. Während der Versuche wurden die Anzahl der Schwanz- und Ohrenläsionen sowie ausgewählte Umweltparameter (Schadgase, Temperatur und Luftfeuchtigkeit) erfasst.
Die Erhebungen erfolgten eine Woche nach der Einstallung der Tiere (bei 30 kg Körpergewicht) sowie zwei Monate nach der Einstallung (bei 90 kg Körpergewicht).
Die Datenauswertung ergab keine Unterschiede zwischen den Versuchsgruppen: Es wurden keine Schwanz- oder Ohrenläsionen festgestellt. Die Werte der Umweltparameter lagen durchgehend zwischen den Stufen „verbesserungsfähig“ und „optimal“ gemäß ClassyFarm.
Betrieb 2
Der Versuch konzentrierte sich auf die Aufzucht- und Mastphase.
Im Aufzuchtstall wurden die Schweine in Buchten mit planbefestigtem Boden und Stroheinstreu gehalten, während die Mastschweine in Buchten mit planbefestigtem Boden und einem externen Kotbereich mit Spaltenboden untergebracht waren.

Der Versuch umfasste 1.800 Schweine in der Aufzuchtphase (7–30 kg) sowie 144 Mastschweine (30–170 kg) mit intakten Schwänzen. Es wurde kein Vergleich zwischen zwei Versuchsgruppen durchgeführt, sondern eine regelmäßige Überwachung der Umweltparameter mittels stationärer und mobiler Messgeräte sowie der direkten Tierindikatoren, insbesondere:
- Schadgase, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Beleuchtungsstärke und Luftgeschwindigkeit
- Läsionen an Schwanz und Ohren
- Body Condition Score (im Aufzuchtstall)
- Sauberkeit der Tiere
Der Versuch wurde von Februar bis April 2024 in der Aufzuchtphase und von Mai bis November 2024 in der Mastphase durchgeführt.
In Tabelle 1 sind die Ergebnisse der Bewertung der direkten Tierindikatoren dargestellt, während Tabelle 2 die Durchschnittswerte der während des Überwachungszeitraums erfassten Umweltparameter enthält. Die Analyse und Auswertung der Daten hat die Bedeutung einer kontinuierlichen Überwachung der Umweltparameter und insbesondere der Konzentrationen schädlicher Gase aufgezeigt. Darüber hinaus wurden keine Unterschiede zwischen den von stationären und mobilen Messgeräten erfassten Werten festgestellt, was die Validität beider Methoden der Datenerhebung zusätzlich bestätigt.
Tabelle 1: Betrieb 1 – Bewertung der direkten Tierindikatoren in Abhängigkeit von der Phase (Anzahl der Tiere mit der jeweiligen Problematik)

| Phase | Schwanz-läsionen | Ohren-läsionen | mangelnde Sauberkeit | stark abgemagerte Tiere |
| Aufzucht | 0 | 14 | 2 | 4 |
|---|---|---|---|---|
| Mast | 5 | 4 | 6 | - |
Tabelle 2: Betrieb 2 – Durchschnittswerte der während des Versuchs erfassten Umweltparameter
| Phase | Bodenart | Beleuch-tung | Temp. | Luft-feuchtigkeit | Luft-geschw. | NH3 | CO2 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Aufzucht | Einstreu | 161 Lux | 22 °C | 85 % | 0,1 m/s | 4 ppm | 2.200 ppm |
| planbef. Boden | 287 Lux | 21 °C | 82 % | - | - | - | |
| Mast | Spalten-boden | 28,2 °C | 85,9 % | 0,1 m/s | <4 ppm | 950 ppm |
Betrieb 3
In diesem Betrieb wurden zwei Versuche in der Aufzuchtphase durchgeführt, die insgesamt 2.454 Schweine umfassten, die in Buchten mit Teilspaltenböden gehalten wurden. Die Tiere wurden gleichmäßig auf zwei Versuchsgruppen verteilt:
- INNOVATION: Tiere mit unkupiertem Schwanz; Stroh in einer Raufe
- KONTROLLGRUPPE: Tiere mit kupiertem Schwanz, Stroh in einer Raufe sowie ein weiteres Beschäftigungsmaterial, das im wöchentlichen Wechsel bereitgestellt wurde (Seil aus Naturfasern bzw. Papierschnitzel)

Der erste Versuch wurde von November 2023 bis Januar 2024 durchgeführt, der zweite von März bis Mai 2024. Während der Versuche wurden die Anzahl der Schwanz- und Ohrenläsionen sowie die Umweltparameter (Schadgase, Temperatur und Luftfeuchtigkeit) erfasst. Die Erhebungen wurden im Zweiwochenrhythmus über einen Zeitraum von insgesamt acht Wochen durchgeführt (T1, T2, T3, T4).
Während des ersten Versuchs wiesen alle Tiere unabhängig von der Art des Beschäftigungsmaterials Schwanzläsionen auf, darunter auch schwere Läsionen. In der Versuchsgruppe INNOVATION traten die Läsionen zwei Wochen später auf als in der KONTROLLGRUPPE. Die gemessenen Konzentrationen schädlicher Gase lagen durchgehend über den Warnschwellen. Der Versuch wurde daher unter Anpassung der Lüftung und Überarbeitung der Futterzusammensetzung im Hinblick auf mögliche Aminosäuremängel wiederholt. Die Ergebnisse des zweiten Versuchs, die deutlich besser ausfielen, sind in Tabelle 3 dargestellt.
Tabelle 3: Betrieb 3 – Erfassung der Umweltparameter und Bewertung der direkten Tierindikatoren in Abhängigkeit von den Erhebungszeitpunkten (Anzahl der Tiere mit der jeweiligen Problematik)
| Gaskonzentration (ppm) | Anzahl der Tiere mit Problemen | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| NH3 | CO2 | KONTROLLGR. | INNOVATION | ||
| Versuch 2 | T1 | 5,4 | 1.700 | 0 | 0 |
| T2 | 4,7 | 1.600 | 30 (Score 1) | 0 | |
| T3 | 2,5 | 1.200 | 40 (Score 1) |
40 (Score 1) |
|
| T4 | 2,0 | 1.160 | 0 | 0 | |
| Versuchs-ende | 1,6 | 1.120 | 0 | 0 | |
