Der deutsche Schweinemarkt hat den Dezember mit einer trügerischen Ruhe beendet. Nach außen hin wirkte, vor allem bedingt durch das Weihnachtsgeschäft, vieles stabil, doch unter der Oberfläche blieb die Lage angespannt. Die Notierungen für Schlachtschweine hielten sich über den gesamten Monat hinweg unverändert bei 1,60 €, was dem Markt zwar Halt gab, aber keine echte Entlastung brachte. Das Angebot an schlachtreifen Tieren blieb hoch und die Schlachtunternehmen arbeiteten über weite Strecken mit voller Auslastung. Gleichzeitig zeigte sich einmal mehr das bekannte Bild regionaler Unterschiede. Während in einigen Regionen die Vermarktung weitgehend reibungslos lief, stauten sich die Mengen andernorts spürbar. Das im Dezember abgeschlossene Weihnachtsgeschäft brachte zwar eine Belebung der Fleischnachfrage, blieb insgesamt jedoch hinter den Erwartungen vieler Marktteilnehmer zurück. Die Nachfrageimpulse reichten aus, um den Markt zu stabilisieren, sorgten aber nicht für einen nachhaltigen Schub.


Am Ferkelmarkt setzte sich im Dezember die verhaltene Phase fort. Nach den zuvor erlebten Preisrückgängen fanden Angebot und Nachfrage wieder besser zueinander. Die Ferkelpreise blieben stabil bei 40,00 €, was von vielen als Zeichen einer vorläufigen Bodenbildung gewertet wurde. Der Handel blieb dennoch anspruchsvoll. Freie Partien erforderten weiterhin Vermarktungsgeschick und regionale Unterschiede prägten auch hier das Geschehen. Insgesamt herrschte jedoch mehr Planbarkeit als noch im Herbst, was sowohl Erzeugern als auch Mästerbetrieben etwas Luft verschaffte. Auch der Schlachtsauenmarkt präsentierte sich zum Jahresende ausgeglichen. Die Preise verharrten bei 0,80 € und das vorhandene Angebot konnte gut abgesetzt werden. Die Verarbeiter hatten ihre Produktion vor den Feiertagen hochgefahren und den Markt damit zusätzlich gestützt, bevor es nun saisonbedingt ruhiger wird.
Neben der eigentlichen Marktentwicklung rückten im Dezember strukturelle und politische Themen stark in den Vordergrund. Besonders die Schließung des Schlachtstandorts Perleberg ist ein weiteres deutliches Signal für den anhaltenden Strukturwandel. Nach dem Rückzug von Vion aus dem deutschen Schlachtgeschäft und dem Verkauf an den Sauenschlachter Uhlen wurde der Standort endgültig vom Netz genommen. Die laufenden Ermittlungen des Bundeskartellamts wegen des Verdachts wettbewerbswidriger Absprachen unterstreichen, wie sensibel der Markt auf Konzentrationsprozesse reagiert. Für viele Schweinehalter, insbesondere im Nordosten Deutschlands, bedeutet das Aus in Perleberg eine weitere Verschärfung der Vermarktungssituation. Längere Transportwege und weniger Alternativen erhöhen den wirtschaftlichen Druck zusätzlich. Parallel dazu bleibt die Zukunft der zum Verkauf stehenden Vion Standorte in Süddeutschland offen. Westfleisch hat erneut Interesse signalisiert, während auch andere Marktteilnehmer als potenzielle Käufer gehandelt werden. Die Branche blickt aufmerksam auf diese Entwicklungen, da sie die Kräfteverhältnisse im Schlachtsektor nachhaltig verändern könnten.
International stand der Dezember klar im Zeichen der Ereignisse in Spanien. Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen in der Region Barcelona hat den europäischen Markt spürbar verunsichert. Zwar konnten wichtige Absatzmärkte durch bestehende Regionalisierungsabkommen offen gehalten werden, was den Schaden begrenzte, dennoch wurden erhebliche Mengen spanischen Schweinefleisches innerhalb der EU umgelenkt. Diese zusätzliche Ware erhöhte den Wettbewerbsdruck auch auf dem deutschen Markt. Positiv wurde von vielen Marktteilnehmern bewertet, dass China seine zuvor verhängten Strafzölle auf europäisches Schweinefleisch zuletzt abgesenkt hat. Diese Entlastung verbessert die Exportchancen und wirkt stabilisierend auf den europäischen Markt. Gleichwohl bleibt das internationale Geschäft fragil, da politische Entscheidungen und Tierseuchengeschehen jederzeit neue Unsicherheiten auslösen können.
Mit dem Jahreswechsel richtet sich der Blick nach vorn auf einen Markt, der zwar stabil ins neue Jahr startet, dessen Gleichgewicht aber empfindlich bleibt. Das Weihnachtsgeschäft ist abgeschlossen und die saisonal hohe Nachfrage ebbt nun ab. Gleichzeitig bleibt das Angebot reichlich und größere Preisimpulse sind kurzfristig nicht zu erwarten. Entscheidend wird sein, wie sich die Situation in Spanien weiterentwickelt und ob die Regionalisierungsabkommen ihre stabilisierende Wirkung behalten. Auch die strukturellen Veränderungen in Deutschland werden erst in den kommenden Monaten ihre volle Wirkung entfalten. Weniger Schlachtkapazitäten bedeuten nicht automatisch Entlastung, sondern können regional neue Engpässe schaffen. Der deutsche Schweinemarkt geht damit mit vorsichtigem Realismus ins neue Jahr. Die Preise haben im Dezember Standfestigkeit bewiesen, doch die Vielzahl an Einflussfaktoren zeigt, wie schnell sich die Stimmung drehen kann.
Wie wird es im Jahr 2026 weitergehen?
Kurzfristig bleibt die Lage schwierig. Die aktuell hohen Schlachtmengen in Deutschland und der EU treffen auf eine weiterhin verhaltene Nachfrage. Zusätzlich lasten die hohen Schweinebestände in China auf dem Weltmarkt. Trotz abgesenkter Strafzölle bleiben die Abnahmen aus der Volksrepublik gering, da der Eigenmarkt dort gut versorgt ist. Dieses Zusammenspiel aus Überangebot und schwacher Exportnachfrage kann den Markt in den kommenden Wochen weiter unter Druck setzen. Neue Tiefpunkte sind kurzfristig nicht ausgeschlossen, insbesondere wenn zusätzliche Mengen aus dem EU Ausland auf den Binnenmarkt drängen.
Entlastung ist daher weniger kurzfristig, sondern vor allem erst mit längerfristigem Blick auf das Jahr 2026 zu erwarten. Der strukturelle Wandel in der Schweinehaltung schreitet weiter voran und führt zu einem spürbaren Rückgang der Tierzahlen. Bestandsabbauten in der Sauenhaltung und Betriebsaufgaben wirken zeitverzögert, entfalten aber langfristig eine marktbereinigende Wirkung. Zwar gingen die Bestände der Sauen in Teilen Deutschlands zuletzt leicht nach oben, jedoch zeigt die fehlende Hofnachfolge vieler Betriebe und der EU-weite Rückgang langfristig eine deutliche Verknappung. Gleichzeitig zieht Deutschland Konsequenzen aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre und arbeitet an eigenen Regionalisierungsabkommen, um Exporte auch im Krisenfall abzusichern. Zudem steigen die Discounter und Supermärkte vermehrt auf höhere Haltungsstufen um und werben mit Ware deutscher Herkunft. Dieser Umstand wirkt für deutsche Landwirte wie eine protektionistische Maßnahme auch innerhalb der EU, da im Ausland produziertes Fleisch die strengen Bedingungen häufig nicht erfüllen kann. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die aktuelle Krise die Schweinehalter hart trifft, aber die mittel- und langfristigen Aussichten ein Durchhalten tendenziell belohnen.




