Die Zukunft der Rentabilität in der Schweineproduktion: Teil 3 – Precision Harvesting und Gewinnkurve pro Kilogramm

Lance Mulberry
06-Jul-2026 (heute)

In jedem Nutztierhaltungssystem ist die abschließende Produktionsphase – die Schlachtung bzw. Vermarktung – der Punkt, an dem biologische Leistung zur wirtschaftlichen Realität wird. Allerdings werden Vermarktungsentscheidungen häufig nach einem starren, einheitlichen Schema getroffen, als würde jedes Schwein denselben Wert pro Kilogramm erzielen. Doch in der Praxis könnte nichts weiter von der Realität entfernt sein.

Da sich Schweine hinsichtlich Wachstumsrate, Futterverwertung, Gesundheitszustand und Mortalitätsrisiko unterscheiden, verursacht jedes Kilogramm, das ein Schwein zulegt, unterschiedliche Kosten.

Und da Schlachtunternehmen je nach Gewicht und Schlachtkörperqualität Zu- und Abschläge anwenden, erzielt jedes Kilogramm auch einen anderen Erlös.

Die Erkenntnis ist einfach, aber weitreichend:

Jedes Schwein weist ein individuelles Gewinnprofil auf; folglich hat auch jedes Kilogramm einen individuellen Wert.

Dieser abschließende Beitrag der Artikelreihe stellt das Konzept des Precision Harvesting vor, einen Ansatz, bei dem Schweine nicht allein nach ihrem Endgewicht, sondern nach ihrem maximalen wirtschaftlichen Wert vermarktet werden. Dies geschieht durch:

Warum variiert der Gewinn pro Kilogramm?

Nach herkömmlicher Auffassung geht man davon aus, dass, sobald ein Schwein das Schlachtgewicht erreicht hat, jedes zusätzliche Kilogramm ungefähr den gleichen Gewinnbeitrag liefert. Doch drei Faktoren widerlegen diese Annahme:

1. Die Kosten pro Kilogramm verändern sich mit zunehmendem Gewicht der Schweine

In der frühen Mastphase beschleunigt sich das Wachstum, sodass der Gewinnzuwachs pro Kilogramm besonders hoch ist. Mit zunehmender Reife des Schweins verlangsamt sich das Wachstum, und damit beginnt auch der Gewinnzuwachs zu sinken, weil es:

Dies gilt insbesondere für Schweine mit unterdurchschnittlicher Wachstumsleistung, da nicht nur die oben genannten Faktoren stärker ins Gewicht fallen, sondern sie zudem einen Platz im Stall blockieren, der von einem effizienteren Tier genutzt werden könnte. Daher kann ein „günstiges Kilogramm“ bei 110 kg zu einem „teuren Kilogramm“ bei 130 kg werden.

2. Die Mortalität beeinflusst die Kostenstruktur

Ein Schwein, das in der späten Mastphase verendet, verursacht erhebliche Kosten, da der Großteil der Aufwendungen bereits angefallen ist. Die verbleibenden Tiere müssen diese Verluste „mittragen“.
Dadurch steigen die Kosten pro Kilogramm in der Endgruppe – oft sogar erheblich.

3. Schlachtunternehmen zahlen nicht für jedes Kilo den gleichen Preis

Abrechnungsmasken mit Zu- und Abschlägen, basierend auf Gewichtsklasse, Magerfleischanteil und Rückenspeckdicke, bedeuten:

Wenn man variable Kosten pro Kilogramm mit variablem Wert pro Kilogramm kombiniert, ergibt sich eine Gewinnkurve, die zunächst steigt, ihren Höhepunkt erreicht und anschließend wieder abfällt. Selbst Produzenten, die nicht nach einer Abrechnungsmaske verkaufen, haben variable Kosten pro Kilogramm, sodass auch der Gewinn pro Kilogramm variabel ist.

Das Ziel des Precision Harvesting ist es, diesen Höhepunkt zu identifizieren und die Schweine genau dann zu schlachten, wenn sie ihn erreichen.

Das Kernwerkzeug: die „Geschichte“ jedes einzelnen Schweins nachverfolgen

Precision Harvesting basiert auf einem grundlegenden Prinzip:

Man kann den Gewinn erst dann optimieren, wenn man die Variabilität misst.

Für den Einstieg sind lediglich erforderlich:

Mit diesen Daten lassen sich zwei äußerst nützliche visuelle Werkzeuge erstellen: eine Gewinneffizienzgrenze (Profit Frontier) und eine Vermarktungsmatrix auf Einzeltierebene (Pig-Level Harvest Map).

Werkzeug 1: die Gewinneffizienzgrenze

Die Gewinneffizienzgrenze ist eine Kurve, die Folgendes darstellt:

Produzenten können eine einfache Version in drei Schritten erstellen:

Schritt 1: Schätzung der Kosten pro Kilogramm über die gesamte Endmastperiode

Die Tabelle könnte etwa so aussehen:

Gewichtsbereich FCR Gesamtkosten pro kg Gewichtszuwachs
80–100 kg 2,5 niedrig
100–115 kg 2,9 mittel
115–130 kg 3,4 hoch

Berücksichtigen Sie die Auswirkungen der Mortalität, indem Sie anteilige Kosten pro überlebendem Schwein einrechnen, und berechnen Sie eine tägliche Grenzkostenkurve.

Schritt 2: Einbeziehung der Wertkurve des Schweins

Dabei kann Folgendes berücksichtigt werden:

<p>Abb. 1: Einbeziehung der Wertkurve des Schweins</p>

Schritt 3: Darstellung des Gewinns pro Kilogramm für jeden Gewichtspunkt

Typischerweise ergibt sich dabei folgender Verlauf:

<p>Abb. 2: Durchschnittlicher Gewinn pro Tier</p>

Diese Kurve zeigt den ökonomisch optimalen Vermarktungszeitpunkt und nicht den biologisch optimalen. Sie können auch die tatsächlichen Vermarktungsergebnisse in diese Kurve eintragen, um zu beurteilen, wie nahe Ihre Ergebnisse am Optimum liegen (Abb. 3).

<p>Abb. 3: Gewinn pro Tier &ndash; Einzeltierwerte. Anm.: Die Streifenbildung der Datenpunkte ist auf die Kategorisierung von Schlachtk&ouml;rpermerkmalen wie Magerfleischanteil oder R&uuml;ckenspeckdicke zur&uuml;ckzuf&uuml;hren.</p>

Werkzeug 2: Einzeltier-Vermarktungsmatrix

Dieses Tool geht einen Schritt weiter als die Gewinneffizienzgrenze, indem es jedes Schwein innerhalb der Matrix positioniert und Folgendes darstellt:

Schlachtkörpergewicht (kg) - Preiszu- oder -abschläge des Schlachthofs
≤49 50 55,1 60,1 65,1 70,1 75,1 80,1 85,1 ≥90,1
Rückenspeck-dicke ≤6 77% 86% 86% 97% 100% 100% 100% 91% 77% 53%
7 77% 86% 86% 97% 100% 100% 100% 91% 77% 53%
8 77% 86% 86% 97% 100% 100% 100% 91% 77% 53%
9 77% 86% 86% 97% 100% 100% 100% 91% 77% 53%
10 77% 86% 86% 97% 100% 100% 100% 91% 77% 53%
11 77% 86% 86% 97% 100% 100% 100% 91% 77% 53%
12 77% 86% 86% 97% 100% 100% 100% 91% 77% 53%
13 72% 81% 86% 86% 100% 100% 100% 81% 72% 53%
14 72% 81% 86% 86% 100% 100% 100% 81% 72% 53%
15 67% 77% 81% 81% 91% 91% 86% 72% 63% 53%
16 67% 77% 81% 81% 91% 91% 86% 72% 63% 53%
17 67% 77% 81% 81% 91% 91% 86% 72% 63% 53%
18 67% 77% 77% 77% 81% 81% 81% 72% 53% 53%
19 67% 77% 77% 77% 81% 81% 81% 72% 53% 53%
20 67% 77% 77% 77% 81% 81% 81% 72% 53% 53%
≥21 63% 72% 77% 77% 81% 81% 77% 72% 53% 53%

Schlachtkörpergewicht (kg) - Anzahl der Schweine
≤49 50 55,1 60,1 65,1 70,1 75,1 80,1 85,1 ≥90,1
Rückenspeck-dicke ≤6 1 1 6 12 30 22 9 1
7 13 32 124 146 31 4
8 5 40 182 261 94 17 1
9 1 4 38 204 333 122 23 4
10 6 43 171 360 144 26 4
11 1 7 29 135 300 112 28 6 2
12 2 18 139 235 107 18 4
13 1 13 154 347 136 27 3 1
14 2 27 40 32 9 3 2
15 2 19 42 24 3 1 1
16 3 13 31 18 4 1
17 1 9 19 17 7 1
18 4 16 6 3 1
19 1 7 2 1
20 1 2 4 1 1
≥21 5 1
Schlachtkörpergewicht (kg) - Durchschnittlicher Gewinn pro Tier ($)
≤49 50 55,1 60,1 65,1 70,1 75,1 80,1 85,1 ≥90,1
Rückenspeck-dicke ≤6 -130,67 -44,99 -67,20 -8,39 13,35 34,85 36,10 -14,88
7 -53,83 -6,73 12,81 29,36 39,44 14,79
8 -47,80 -16,05 16,19 30,93 45,59 17,31 6,40
9 -105,80 -23,20 -8,64 21,15 33,99 47,45 18,08 -6,07
10 -50,89 -2,13 23,02 37,15 48,75 37,22 9,50
11 -64,60 -62,60 1,22 24,93 38,94 50,49 38,81 -0,48 -76,07
12 -31,30 -2,15 26,49 41,15 54,73 28,48 -9,72
13 -96,96 -39,97 23,28 42,10 56,69 2,48 -24,76 -88,53
14 -34,34 20,11 40,46 44,30 -1,99 -7,81 -100,44
15 -37,49 -5,22 14,55 5,73 -27,71 -67,00 -107,92
16 -43,18 2,65 15,50 -0,45 -26,39 -48,81
17 -91,03 -0,48 17,74 12,86 -29,77 -34,20
18 -32,75 -19,47 -14,83 -31,40 -81,98
19 -28,14 -4,20 -9,88 -66,90
20 -26,75 -40,25 -19,99 17,77 -19,31
≥21 -16,74 -34,88

So erstellen Sie die Matrix:

  1. Erfassen Sie das Schlachtgewicht und die Schlachtkörperqualität jedes einzelnen Schweins zum Zeitpunkt der Schlachtung.
  2. Zählen Sie die Schweine, die in die jeweilige Kategorie fallen.
  3. Schätzen Sie die Kosten pro Schwein auf Basis seiner Wachstumsentwicklung oder eines Gruppenmittelwerts.
  4. Ziehen Sie die Kosten vom um Zu- oder Abschläge bereinigten Erlös ab.

Dabei werden Sie schnell Folgendes erkennen:

Auch ohne eine formale Schlachthof-Abrechnungsmaske funktioniert diese Methode, da die Kosten pro Kilogramm niemals vollständig einheitlich sind.

Erkenntnisse in Maßnahmen umsetzen

Sobald Sie diese Auswertungen erstellt haben, wird Precision Harvesting zu einem praxisorientierten Entscheidungswerkzeug.

Produzenten erhalten dadurch die Möglichkeit,

Kurz gesagt: Precision Harvesting wandelt Daten in Gewinn um, indem möglichst viele Kilogramm in den Bereich des Gewinnmaximums verschoben werden.

Abschließender Gedanke

In Teil 1 haben wir gelernt, dass das, was Sie in Schweine investieren, darüber entscheidet, was Sie aus ihnen herausbekommen.
In Teil 2 haben wir gezeigt, dass Präzisionswerkzeuge den Wert dieser Investition steigern.
In Teil 3 verbindet Precision Harvesting alles miteinander, indem sichergestellt wird, dass Sie den Gewinn realisieren, für den Sie so hart gearbeitet haben.

Denn wenn jedes Schwein unterschiedlich wächst, hat jedes Kilogramm einen anderen Wert. Und der Produzent, der dies erkennt, ist derjenige, der von dem bereits in seinem System vorhandenen Wert mehr abschöpft.