Das im Zuchtgenetik-Zentrum eingerichtete interne Überwachungssystem für PRRS basiert auf folgenden Punkten:
Am 7. April 2024 wurden bei der routinemäßigen Überwachung im Zuchtgenetik-Zentrum zwei PCR-Proben von Ebern aus einem der beiden Gebäude positiv auf das Virus des Porcinen Reproduktiven und Respiratorischen Syndroms (PRRSv) getestet. Dies löste die sofortige Aktivierung des Notfallprotokolls aus:
Da ein Labor zur Verfügung stand, das in der Lage war, die ganze Nacht über zu arbeiten, konnten die Untersuchungen zügig vorangetrieben werden. Die zwischen dem 7. und 8. April an allen Ebern durchgeführten Tests bestätigten die Befürchtungen:
Dieser Befund markierte einen Wendepunkt: Von diesem Moment an begannen wir einen Wettlauf gegen die Zeit, um:
ST1 verfügt über ein Tiefstreusystem, während ST2 mit einem Vollspaltenboden ausgestattet ist. Beide Gebäude sind identisch aufgebaut und liegen nebeneinander. Der Abstand zwischen ihnen beträgt 10 Meter. Sie verfügen beide über eine Unterdrucklüftung mit Abluftöffnungen am Ende jedes Gebäudes sowie über Kühlaggregate an den seitlichen Lufteinlässen. Die Luft wird jedoch nicht gefiltert.
Vor dem Ausbruch waren die in den beiden Gebäuden tätigen Mitarbeiter voneinander getrennt. Nur der Personaleinlass war für alle derselbe: Die Mitarbeiter duschten am Ein- und Ausgang des Zuchtgenetik-Zentrums, von wo aus es einen Zugang zu ST1 gab.
Die Mitarbeiter aus ST2 begaben sich dann in „Durchgangskleidung und -schuhen“ zu ihrem Stall. Am Eingang von ST2 mussten sie in einem Umkleideraum mit klar voneinander getrennten Rein- und Schmutzbereichen ihre Kleidung und Schuhe komplett wechseln (trockene Hygieneschleuse, Abb. 1).
.

Vom ersten Tag an war die Priorität klar: ST1 sollte PRRS-frei gehalten werden, um die Produktion so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. Um dies zu erreichen, wurden eine Reihe hochpräziser Maßnahmen ergriffen:
Sofortige Isolierung und interne Einteilung in Zonen

Bauliche und umweltbezogene Biosicherheit nach der Bestandsräumung von ST2

Reinigungsmanagement: Biocontainment



Schrittweise Wiederaufnahme des Betriebs
| woche | STALL 1 | BARN 2 |
|---|---|---|
| 0 |
7. April: 0 PCR-positiv |
7. April: 2 PCR-positiv Rücknahme und PCR-Testung aller produzierten Dosen (die negativ getestet wurden), Aktivierung des Notfallplans, um sicherzustellen, dass die Kunden Samendosen erhielten |
| 1 |
Amtliche PCR-Tests an 100 % der Eber und private PCR- und ELISA-Tests an 50 % der Eber, mit negativen Ergebnissen |
Manuelle Entfernung organischer Stoffe und Entsorgung in die Güllegrube |
| 2 |
Amtliche PCR-Tests an 100 % der Eber und private PCR- und ELISA-Tests an 50 % der Eber, mit negativen Ergebnissen |
Desinfektion ohne den Einsatz von Wasser oder Hochdruck, um die Bildung von Aerosolen zu verhindern |
| 3 |
Private PCR- und ELISA-Tests an 50 % der Eber, mit negativen Ergebnissen |
Entnahme von 38 Umweltproben und individuelle PCR-Tests, alle mit negativen Ergebnissen Ziel: Probenahme in den Ställen, in denen die positiven Eber gehalten wurden |
| 4 | Private PCR- und ELISA-Tests an 50 % der männlichen Tiere, mit negativen Ergebnissen 12. Mai: Der Verkauf von Dosen aus Stall 1 wurde amtlich genehmigt. |
Abflammen aller Oberflächen mit einer Lötlampe Entnahme von 25 Umweltproben und individuelle PCR-Tests, mit negativen Ergebnissen |
| 5 |
Private Tests an 100 % der männlichen Tiere, die vor der Freigabe der Dosen für PCR- und ELISA-Tests beprobt wurden |
|
| 6 | Private Tests an 100 % der männlichen Tiere, die vor der Freigabe der Dosen für PCR- und ELISA-Tests beprobt wurden | Beginn einer gründlichen Reinigung mit Hochdruckwasser |
| 7 | Beginn der Leerzeit | |
| 8 | ||
| 9 | Sentinel-Programm: Verlegung von 12 Ebern zur Keulung von ST1 nach ST2 Rotation in 100 % der Ställe |
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| 10 | Negative PCR- und ELISA-Ergebnisse bei den Sentineltieren | |
| 11 | Wiederbelegung des Stalls mit Tieren |
* alle Blutuntersuchungen
Überwachung des wöchentlichen Stichprobenumfangs bei einem Konfidenzniveau von 95 % und einer Prävalenz von 2 %, verteilt auf 3 Probenahmetage. Art der Probe: Blut aus der Vena saphena, Test: PCR.
Untersuchung: Auf den Spuren des unsichtbaren Virus
Es wurde eine detaillierte epidemiologische Untersuchung durchgeführt, deren Schwerpunkt auf den Tagen vor dem Nachweis des Virus lag. Analysiert wurden die Personalzugänge, Besuche von Fachleuten, Tiertransporte, die Beseitigung von Tierkadavern, interne Verlegungen oder Transporte und die Wetterbedingungen.
Mehrere Faktoren kristallisierten sich als potenzielle Eintrittswege heraus:
Trotz aller Bemühungen konnten wir keine einzelne Quelle identifizieren. Die genetische Sequenz des im Zuchtgenetik-Zentrum isolierten Virus wurde in die GenBank eingegeben und stimmte mit Stämmen aus einem 38 km entfernten Betrieb überein. Dieser liegt in einem Gebiet mit hoher Schweinebesatzdichte.
Gewonnene Erkenntnisse: Präventivmaßnahmen für die Zukunft
Der Ausbruch hat betriebliche Mängel aufgezeigt, die zur Ausarbeitung eines umfassenden Plans für kontinuierliche Verbesserungen geführt haben:
Schlussfolgerung: Eindämmung war möglich, weil es einen Plan gab
Der Fall dieses Zuchtgenetik-Zentrums zeigt, dass selbst bei einer stillen und potenziell verheerenden Infektion wie PRRS eine Kombination aus schneller Reaktion, gezielten Maßnahmen und anpassungsfähiger Biosicherheit den entscheidenden Unterschied ausmachen kann. Von entscheidender Bedeutung war das Bewusstsein der Mitarbeiter während des gesamten Prozesses der Bestandsräumung, Reinigung, Desinfektion, Wiederbelegung und Wiedereröffnung der Einrichtung.
Dank des erhaltenen Gesundheitsstatus von ST1 konnte das Zuchtgenetik-Zentrum seine Produktionsausfallzeit erheblich verkürzen und eine Unterbrechung der Versorgung mit genetischem Material vermeiden.
In einem Umfeld, das durch hohe Besatzdichte, ständige Bewegung und hochansteckende Viren gekennzeichnet ist, müssen Betriebe auf das Unerwartete vorbereitet sein. Ein besonders praxisorientierter Notfallplan ist keine Option, sondern die Lebensversicherung eines jeden Betriebs.