"Wir müssen untersuchen, was in den Zellen geschieht und wie sich dies auf Tiere auswirkt. Ebenso müssen wir erforschen, wie wir diese Beziehung beeinflussen können."
Aus beruflicher Sicht schätzt er sich als Virologe glücklich, in einer Zeit geboren zu sein, in der es viele herausfordernde Viren wie PCV2 gibt. Es sind „listige” Viren, die gewissermaßen im Hintergrund agieren und die Gegebenheiten nutzen, die aufgrund häufiger Koinfektionen in den Betrieben im Immunsystem von Schweinen entstehen, um Krankheiten zu verursachen.
PCV2 ist ein kleines Virus, das vor allem in Wechselwirkung mit zwei wichtigen Zellen in Erscheinung tritt: den Lymphoblasten und den Monozyten. Beide sind äußerst wichtige Bestandteile der Immunantwort. Bevor PCV2 jedoch erheblichen Schaden anrichten kann, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Bei einem sehr gesunden Tier, das keinen anderen Infektionen ausgesetzt ist, hat PCV2 nur eine geringe Wirkung. Es vermehrt sich nur in geringem Maße. Für ein Virus ist dies eigentlich sehr gut, da es so den Wirt nicht schädigt und unbemerkt bleiben kann.
Manchmal schaffen wir Menschen Umstände, die PCV2 begünstigen. Landwirtschaftliche Betriebe sind allzu oft von den verschiedensten Infektionserregern befallen. Diese multiplen Koinfektionen führen zu einer starken Stimulation der Immunantwort, einschließlich der Bildung von Lymphoblasten, also von immunstimulierten Lymphozyten, in denen sich PCV2 vermehrt. Je mehr Lymphoblasten vorhanden sind, desto besser kann sich PCV2 vermehren und desto zerstörerischer wird seine Wirkung..

Wir leben in einer Welt, in der die Anzahl der Koinfektionen steigt – und das nicht nur bei Nutztieren, sondern bei allen Arten, einschließlich des Menschen. Dies führt zu einer starken Aktivierung der Blastogenese, sodass eine perfekte Umgebung für einige kleine DNA-Viren wie Circo- und Parvoviren entsteht, die zur Vermehrung auf proliferierende Zellen (wie Lymphoblasten) angewiesen sind.
Dies geschieht auch beim Menschen: Heutzutage reisen Menschen bei jeder Gelegenheit um die ganze Welt, sei es aus beruflichen oder privaten Gründen. Dabei bringen sie Viren aus aller Welt mit nach Hause, was automatisch zu einer höheren Verbreitung und mehr Koinfektionen führt. Wie wir sehen, hat dies Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit: Heutzutage haben Menschen im Winter häufig drei- bis viermal mit Atemwegserregern zu kämpfen, während früher einzelne Krankheitsfälle pro Saison typischer waren.
Impfungen sind zwar entscheidend für die Bekämpfung von PCV2, aber sie sind nicht das einzige Mittel. Es müssen auch einige andere kritische Punkte berücksichtigt werden. Wenn Tierärzte die Mechanismen der Virusreplikation kennen, hilft ihnen das bei der Bekämpfung des PCV2-Virus und der damit verbundenen Krankheiten. Von entscheidender Bedeutung ist es, alle gleichzeitig auftretenden viralen und bakteriellen Infektionen in einem Betrieb besser zu kontrollieren (denken Sie an die Madec-Regeln). Dies reduziert die Blastogenese und somit die Anzahl der Zielzellen für PCV2. Dadurch wird dessen Vermehrung begrenzt und die dadurch verursachten immunologischen Schäden werden gemindert.
Alles, was Sie zur Verbesserung des Gesundheitszustands Ihres Betriebs und zur Bekämpfung der in der Population zirkulierenden Infektionserreger unternehmen, trägt daher dazu bei, die Verbreitung anderer Krankheitserreger wie PCV2, die zu ihrer Vermehrung ein stimuliertes Immunsystem benötigen, besser zu kontrollieren und deren Auswirkungen zu verringern.
Die Impfung gegen PCV2 ist ein wichtiges Instrument, allerdings gibt es einige Probleme mit der maternalen Immunität, die berücksichtigt werden sollten. PCV2 ist keineswegs verschwunden und bereitet uns immer wieder Probleme.