Influenza und PRRSV: Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Wechselwirkungen

Gerard E. Martin VallsEnric Mateu
23-Feb-2026 (heute)

Das PRRSV und das Influenzavirus gehören unterschiedlichen Virusfamilien mit unterschiedlichen Pathogenitätsmechanismen an, weisen jedoch einige gemeinsame Merkmale auf:

<p>Abb. 1: Mechanismen der endemischen Etablierung von PRRSV und IAV in Betrieben</p>

In ihren endemischen Verlaufsformen weisen beide Viren im Durchschnitt ähnliche Übertragungsraten (R₀-Werte zwischen 2 und 7) auf, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich der Dauer der Ansteckungsfähigkeit:

Interaktion mit anderen Krankheitserregern: unterschiedliche Wirkmechanismen

Ein weiterer gemeinsamer Aspekt ist die Zunahme bakterieller Sekundärinfektionen. Allerdings unterscheiden sich auch hier die zugrunde liegenden Mechanismen:

Es wurden klare synergistische Effekte zwischen IAV und Mycoplasma hyopneumoniae sowie mit Actinobacillus pleuropneumoniae beschrieben.

Interaktion zwischen swIAV und PRRSV

Die Wechselwirkungen zwischen diesen beiden Viren sind komplex, und widersprüchliche Ergebnisse sind keine Seltenheit. In einer experimentellen Studie untersuchten Van Reeth et al. die Koinfektion mit PRRSV und IAV in zwei Tiergruppen. Während in einer Gruppe eine deutliche Synergie zwischen beiden Viren beobachtet wurde, zeigte die andere Gruppe ein milderes klinisches Bild, als es bei einer Einzelinfektion mit jeweils einem der beiden Viren zu erwarten gewesen wäre.

In einer neueren Studie (Martín-Valls et al., 2022) wurde das Vorkommen von elf respiratorischen Viren sowohl auf Einzeltier- als auch auf Bestandsebene untersucht, darunter IAV, PRRSV1, PCV2, das porzine Zytomegalovirus (PCMV), das porzine respiratorische Coronavirus (PRCV) und das porzine Orthopneumovirus (SOV). Die Ergebnisse auf Bestandsebene zeigten eine Assoziation zwischen IAV, PCMV und SOV, jedoch nicht mit PRRS-Viren. Auf Einzeltier-Ebene korrelierten IAV und PRRSV negativ miteinander. Diese negative Korrelation war zuvor auch in vitro beschrieben worden, in einer Studie, in der eine Replikationsinterferenz in koinfizierten CD163⁺-Zellen beobachtet wurde. In einer weiteren experimentellen In-vivo-Studie beeinträchtigte eine vorherige PRRSV-Infektion die nachfolgende IAV-Infektion ebenfalls negativ.

In einer neueren Studie, in der die gleichzeitige Zirkulation dieser beiden Viren in Schweinepopulationen longitudinal von der Geburt bis zum Ende der Absetzphase untersucht wurde, zeigte sich, dass das Vorhandensein eines hochvirulenten PRRS-Virus zu Folgendem führte:

Die Auswirkungen auf die Produktion und die Tiergesundheit zu beurteilen, ist schwierig. Cornelison et al. verglichen zwei Betriebe, die mit PRRSV und IAV koinfiziert waren, mit einem Betrieb, der nur mit PRRSV infiziert war. Dabei beobachteten sie in den koinfizierten Betrieben eine bis zu 19 % höhere Mortalität sowie eine Verringerung der durchschnittlichen Tageszunahme (bis zum Schlachtalter) um 8 – 14 %.

Fazit

Die Beziehung zwischen diesen Viren ist komplex und kann in verschiedenen Studien widersprüchlich erscheinen. Das Auftreten hochpathogener PRRSV-Stämme sowie die hohe genetische Diversität beider Viren machen es sehr schwierig (wenn nicht gar unmöglich), die relativen Auswirkungen jedes Virus vorherzusagen. Auch wenn sie auf Einzeltier-Ebene offenbar nicht additiv wirken, ist ihr Einfluss sowohl einzeln als auch in Kombination auf Bestandsebene deutlich erkennbar.