Der Anstieg der Sauensterblichkeit ist ein global zunehmendes Phänomen, das in unterschiedlichen Ländern und Produktionssystemen zu beobachten ist. Ein Blick auf die produktivsten Betriebe Dänemarks zeigt jedoch, dass einige von ihnen auch eine niedrige Sauensterblichkeit aufweisen, was die Bedeutung des Managements verdeutlicht.
An erster Stelle stehen das Engagement des Betriebsinhabers und seine Bereitschaft zur Veränderung. Ist die für den Betrieb verantwortliche Person nicht bereit, die Mitarbeiter zu motivieren und Raum für Veränderungen zu schaffen, lassen sich keine wirksamen Maßnahmen umsetzen. Das Management ist DER entscheidende Faktor zur Senkung der Sterblichkeit – es geht um Menschen, ihre Einstellung zu Veränderungen und die Sorgfalt, mit der sie sich um die Tiere kümmern. Gute Führungskräfte motivieren ihre Mitarbeiter, jeden Tag und das ganze Jahr über das Richtige zu tun. Sie geben klare Anweisungen, setzen Prioritäten und definieren zentrale Aufgaben, etwa die aufmerksame Beobachtung der Tiere.
Überprüfung der Qualität der für den eigenen Betrieb verfügbaren Daten: Dies ermöglicht es, den Fokus gezielt auf die betriebsspezifischen Problemfelder zu legen. In Dänemark können Betriebe beispielsweise SEGES Insight nutzen, um sich mit anderen Betrieben zu vergleichen und zusätzlich regelmäßige Auswertungen zu erhalten. Die Erfassungscodes für Verluste sollten auf die relevantesten begrenzt und vom Personal korrekt angewendet werden, um eine fundierte Analyse zu gewährleisten.
Überprüfung der Jungsauenaufzucht: Der künftige Zuchtbestand stellt ein zentrales Element des Betriebs dar und sollte entsprechend behandelt werden. Allzu oft werden Jungsauen vernachlässigt und erhalten nicht die notwendige Betreuung, um später ein produktives und langes Leben zu führen.
Fokus auf Qualität der belegten Sauen: Für jede Sau sollten zu entscheidenden Zeitpunkten standardisierte Entscheidungsprotokolle umgesetzt werden, um zu bestimmen, ob sie für den nächsten Zyklus geeignet ist. Dabei sollte nicht nur auf Produktionskennzahlen geachtet werden, sondern auch auf Klauengesundheit, Lahmheit und das allgemeine Wohlbefinden.
Lieber eine ausgemerzte Sau im LKW und den Erlös aus der Schlachtung erhalten, als dass sie im Container für euthanasierte Tiere endet
Wenn es sehr wahrscheinlich ist, dass eine Sau für einen weiteren Wurf nicht mehr fit genug ist, ist es sinnvoller, sie direkt nach dem Absetzen zum Schlachthof zu bringen und noch einen kleinen Erlös zu erzielen, als Zeit und Geld in die Besamung eines Tieres mit geringen Erfolgsaussichten zu investieren.
In Dänemark dürfen nur Sauen verladen werden, die in der Lage sind, selbst zum Transporter zu laufen; andernfalls müssen sie auf dem Betrieb euthanasiert werden.
Die Sauen liefern viele Informationen über ihren Gesundheits- und Leistungszustand, doch hierfür ist aufmerksames Personal erforderlich. Es ist zum Beispiel auf Folgendes zu achten:
Diese Beobachtungen liefern wertvolle Informationen darüber, welche Sauen mit hoher Wahrscheinlichkeit nach dem Absetzen ausgemerzt werden müssen, und ermöglichen eine bessere Planung der Jungsauen, die in die Belegungsgruppe aufgenommen werden sollen.
Im Abferkelbereich: Wie hat sich die Sau beim Abferkeln und Absetzen verhalten? Wie alt ist sie? Ist sie in guter körperlicher Verfassung?
Sauen, die bereits leicht lahm in die Gruppenbildung gehen, verschlechtern sich häufig während der Trächtigkeit, da die Umgruppierung ein bedeutender Risikofaktor ist. In Dänemark hat SEGES ein Experiment durchgeführt, das sich auf die Reduzierung des Lahmheitsrisikos während der Gruppenbildung konzentrierte.

In diesem Experiment wurden die Sauen nach dem Absetzen in Gruppen eingeteilt und in Buchten mit tiefer Einstreu sowie frei zugänglichen Liegeboxen untergebracht. Es wurden 4 Gruppen gebildet: 3 m² pro Sau vs. 5 m² pro Sau sowie Fixierung in Boxen bei Eintritt der Rausche vs. keine Fixierung.
Nach dem Experiment lautet die Empfehlung weiterhin: 3 m² pro Sau und Fixierung in Boxen während der Rausche
Tägliche Tierkontrolle: Es ist wichtig, dass das Personal jede einzelne Sau täglich gründlich kontrolliert.

Auch bei einem automatischen oder elektronischen Fütterungssystem wie dem ESF (Electronic Sow Feeding) ist es wichtig, die Sauen zu beobachten und ein bestmögliches Management umzusetzen. Dabei spielt die Konfiguration des ESF-Systems eine zentrale Rolle:
Trächtige Sauen, die restriktiv gefüttert werden, haben einen großen Appetit auf ihre tägliche Ration. Beginnt der Fütterungstag beispielsweise um Mitternacht, fressen die ranghohen Sauen überwiegend nachts, wodurch die rangniedrigeren Sauen am Vormittag ausreichend Zeit zum Fressen haben. Ein Blick auf die Alarmliste am frühen Nachmittag ermöglicht eine frühzeitige Erkennung von Sauen, die Schwierigkeiten haben, ihre volle Ration aufzunehmen.
Wenn eine Sau auf der Alarmliste des ESF-Systems erscheint, ist es wichtig, ihr noch am selben Tag zu helfen
Außerdem hilft eine enge Beobachtung während kritischer Phasen wie dem Abferkeln nicht nur den Ferkeln, sondern auch den Sauen.
Wenn Sauen auf dem Betrieb euthanasiert werden, geschieht dies meist aufgrund von Lahmheit. Um die Genesung lahmer Sauen zu unterstützen, müssen die Krankenbuchten über weiche Einstreu verfügen, denn die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Genesung ist auf Vollspalten- oder Betonböden deutlich geringer.
Auch die Lage der Krankenbuchten ist von Bedeutung. Erstens sind viele der Sauen, die dorthin verlegt werden, lahm und daher schwer zu bewegen. Und zweitens: Je leichter sich eine kranke Sau bewegen lässt, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Personal sie aus der Gruppen- oder Trächtigkeitsbucht entfernt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Klauengesundheit und Klauenpflege. Vorbeugende Maßnahmen sind hierbei entscheidend, um korrigierende Schritte zu ergreifen, bevor Probleme auftreten.

Bei plötzlichen Todesfällen von Sauen auf dem Betrieb sollten insbesondere die Futterqualität, mögliche Toxine sowie die Hygiene des Futterversorgungssystems überprüft werden.
Die Senkung der Sauensterblichkeit braucht Zeit. Daher ist es entscheidend, dass der Betriebsinhaber oder Betriebsleiter sich engagiert und das Projekt aktiv führt. Im Verlauf des Prozesses wird es oft notwendig sein, bewusst einen Schnitt zu machen und Dinge anders anzugehen, um spürbare Ergebnisse zu erzielen.